Sappho.
Ja, ich täuschte mich. Nicht wahr?

Melitta.
Worin?

Sappho.
Wie könntest du? Du kannst nicht! Nein!

Melitta.
Was o Gebieterin?

Sappho.
Du könntest—Geh!
Leg diese eiteln Kleider erst von dir,
Ich kann dich so nicht sehn! Geh! Andre Kleider!
Der bunte Schmuck verletzt mein Auge! Fort!
Einfach ging stets die einfache Melitta,
So viele Hüllen deuten auf Verhülltes!
Geh! Andre Kleider, sag ich dir! Nur fort!—
Halt, wohin gehst du? Bleib! Sieh mir ins Auge!
Warum den Blick zu Boden? Fürchtest du
Der Herrin Aug'? du bist so blöde nicht!
Damals als Phaon—
Ha! errötest du?
Verräterin, du hast dich selbst verraten!
Und leugnest du? Nicht deiner falschen Zunge,
Dem Zeugnis dieser Wangen will ich glauben,
Dem Widerschein der frevelhaften Flammen,
Die tief dir brennen in der Heuchlerbrust!
Unselige, das also war's, warum
Du dich beim Mahle heut so seltsam zeigtest?
Was ich als Zeichen nahm der blöden Scham
Ein Fallstrick war's der list'gen Buhlerin,
Die spinnenähnlich ihren Raub umgarnte;
So jung noch und so schlau, so heiter blühend
Und Gift und Moder in der argen Brust?
Steh nicht so stumm! Soll dir's an Worten fehlen?
Die Zunge, die so sticht, kann sie nicht zischen?
Antworte mir!

Melitta.
Ich weiß nicht was du meinst.

Sappho.
Nicht? armes Kind! Nun Tränen! Weine nicht!
Die Tränen sind des Schmerzes heilig Recht!
Mit Worten sprich, sie sind ja längst entweiht,
Doch brauche nicht der Unschuld stumme Sprache!
So schön geschmückt, so bräutlich angetan!
Fort diese Blumen, fort, sie taugen wenig
Die schlechtversteckte Schlange zu verbergen!
Herab die Rosen!

Melitta (nimmt schweigend den Kranz ab).

Sappho.
Mir gib diesen Kranz,
Bewahren will ich ihn dir zum Gedächtnis
Und fallen frühverwelkt die Blätter ab,
Gedenk ich deiner Treu und meines Glücks.
Was schonest du die Rose an der Brust?
Leg sie von dir!

Melitta (tritt zurück).