Sappho (verhüllt sich die Augen mit der Hand).

Landmann.
Sie sinkt, er faßt sie in die Arme, wir,
Den Augenblick benutzend, rasch an Bord
Und greifen ihn und bringen ihn zurück!
Sie steigen schon ans Land! Seht ihr die beiden?
Das kleine Mädchen wankt noch taumelnd—

Sappho.
Ha
Nicht hierher!

Rhamnes.
Wohin sonst, sie kommen schon!

Sappho.
Wer rettet mich vor seinem Anblick?—Mädchen!—
Du Aphrodite schütze deine Magd!

(Sie eilt dem Hintergrunde zu und umklammert den Altar, ihre
Dienerinnen stehen rings um sie her.)

Dritter Auftritt

Phaon, Melitten führend. Landleute. Sappho mit ihren Dienern im
Hintergrunde.

Phaon.
Ha wag es keiner diese zu berühren!
Nicht wehrlos bin ich, wenn auch gleich entwaffnet!
Zu ihrem Schutz wird diese Faust zur Keule,
Und jedes meiner Glieder wird ein Arm!
Hierher Melitta, hierher! Zittre nicht,
Dir soll kein Leid geschehn solang ich atme!
Verruchte, konntet ihr dies Haupt verletzen,
Das reine Haupt der Unschuld, und seid Männer?
So grausam dacht' ich höchstens mir ein Weib,
Ein schwaches, feiges, aufgereiztes Weib.
Du warst's, der nach ihr schlug, ich kenne dich!
Fort, von mir, fort! Daß ich die Rachegötter
Vorgreifend nicht um ihren Raub betrüge!
Wie fühlst du dich?

Melitta.
Wohl!