Melitta.
Sie ist nicht kalt, und wenn auch schweigt ihr Mund
Ich fühl ihr Herz zu meinem Herzen sprechen!
Sei Richter, Sappho, zwischen mir und ihm!
Heiß mich ihm folgen und ich folge ihm,
Heiß mich ihn fliehn—o Götter!—alles—alles!
Du zitterst!—Sappho, hörest du mich nicht?
Phaon (Melitten umschlingend und ebenfalls hinkniend).
Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht,
Gib uns was unser, und nimm hin was dein!
Bedenke was du tust, und wer du bist!
Sappho (fährt bei den letzten Worten empor und blickt die Knienden mit einem starren Blicke an, wendet sich dann schnell ab, und geht).
Melitta.
Weh mir sie flieht, sie hat ihr Kind verstoßen!
(Sappho ab. Eucharis und Dienerinnen folgen.)
Vierter Auftritt
Vorige ohne Sappho und Eucharis.
Phaon.
Steh auf, mein Kind! Zu Menschen flehe nicht,
Noch bleiben uns die Götter und wir selbst!
Melitta.
Ich kann nicht leben, wenn sie mich verdammt!
Ihr Auge war von jeher mir der Spiegel
Vor dem ich all mein Tun und Fühlen prüfte!
Er zeigt mir jetzt die eigne Ungestalt!
Was muß sie leiden die gekränkte Frau!
Phaon.
Du leihst ihr dein Gefühl! Ganz andre Wogen
Erheben sich in dieser Stolzen Brust!