Phaon.
Ich taumelte in dumpfer Trunkenheit,
Mit mir und mit der Welt im düstern Streite;
Vergebens rief ich die Gefühle auf,
Die ich in Schlummer glaubt' und die nicht waren,
Du standst vor mir ein unbegreiflich Bild
Zu dem's mich hin, von dem's mich fort,
Mit unsichtbaren Banden mächtig zog;
Du warst—zu niedrig glaubte dich mein Zorn,
Zu hoch nennt die Besinnung dich—für meine Liebe.
Und nur das Gleiche fügt sich leicht und wohl!
Da sah ich sie, und hoch gen Himmel sprangen
Die tiefen Quellen alle meines Innern,
Die stockend vorher weigerten den Strahl.
Komm her Melittion, komm her zu ihr,
O sei nicht bange, sie ist mild und gütig!
Enthüll der Augen schimmernden Kristall
Daß sie dir blicke in die fromme Brust
Und freudig ohne Makel dich erkenne!

Melitta (schüchtern nahend).
Gebieterin!

Sappho (sie von sich haltend).
Fort von mir!

Melitta.
Ach, sie zürnt!

Phaon.
So wär' sie doch was ich zu glauben scheute?
Komm her, Melittion, an meine Seite!
Du sollst nicht zu ihr flehn! Vor meinen Augen
Soll dich die Stolze nicht beleidigen,
Du sollst nicht flehn! Sie kennt nicht deinen Wert,
Nicht ihren, denn auf ihren Knien würde
Sie sonst, die Schuld der Unschuld, stumm dir huld'gen!
Hierher zu mir, hierher!

Melitta.
Nein laß mich knien
Wie's wohl dem Kinde ziemt vor seiner Mutter,
Und dünkt ihr Strafe recht, so strafe sie,
Ich will nicht murren wider ihren Willen!

Phaon.
Nicht dir allein auch mir gehörst du an,
Und mich erniedrigst du durch diese Demut.
Noch gibt es Mittel das uns zu erzwingen
Was sie der Bitte störrisch-rauh versagt.

Melitta.
O wär' es auch, mich freut nur ihre Gabe,
Erzwungen wäre mir das höchste Glück zur Last!
Hier will ich knien, bis mir ein milder Blick,
Ein gütig Wort, Verzeihung angekündigt.
Wie oft schon lag ich hier an dieser Stelle
Und immer stand ich freudig wieder auf;
Sie wird mich diesmal weinend nicht entlassen!
Blick auf dein Kind hernieder, teure Frau!

Sappho (steht, das Gesicht auf Eucharis' Schulter gelehnt).

Phaon.
Kannst du sie hören und bleibst kalt und stumm!