Sappho.
Nicht berühre mich!
Ich bin den Göttern heilig!
Phaon.
Wenn du mich
Mit holdem Auge Sappho je betrachtet—
Sappho.
Du sprichst von Dingen die vergangen sind!
Ich suchte dich und habe mich gefunden!
Du faßtest nicht mein Herz, so fahre hin!
Auf festern Grund muß meine Hoffnung fußen!
Phaon.
So hassest du mich also?
Sappho.
Lieben! Hassen!
Gibt es kein Drittes mehr? Du warst mir wert
Und bist es noch und wirst mir's immer sein
Gleich einem lieben Reis'genossen, den
Auf kurzer Überfahrt des Zufalls Laune
In unsern Nachen führte, bis das Ziel erreicht
Und scheidend jeder wandelt seinen Pfad,
Nur manchmal aus der fremden weiten Ferne
Des freundlichen Gefährten sich—erinnernd
(Die Stimme versagt ihr.)
Phaon (bewegt).
O Sappho!
Sappho.
Still! Laß uns in Ruhe scheiden!
(Zu den übrigen.)
Ihr die ihr Sapphon schwach gesehn, verzeiht!
Ich will mit Sapphos Schwäche euch versöhnen,
Gebeugt erst zeigt der Bogen seine Kraft!
(Auf den Altar im Hintergrunde zeigend.)
Die Flamme zündet Aphroditens an
Daß hell sie strahle in das Morgenrot!
(Es geschieht.)
Und nun entfernt euch, lasset mich allein
Alleine mit den Meinen mich beraten!
Rhamnes.
Sie will's, laßt uns gehorchen. Kommt ihr alle!
(Ziehen sich zurück.)
Sappho (vortretend).
Erhabne, heil'ge Götter!
Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt!
In meine Hand gabt ihr des Sanges Bogen,
Der Dichtung vollen Köcher gabt ihr mir;
Ein Herz zu fühlen, einen Geist zu denken
Und Kraft zu bilden was ich mir gedacht!
Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt,
Ich dank euch!