Ihr habt mit Sieg dies schwache Haupt gekrönt
Und ausgesät in weitentfernte Lande
Der Dichtrin Ruhm, Saat für die Ewigkeit!
Es tönt mein goldnes Lied von fremden Zungen
Und mit der Erde nur wird Sappho untergehn,
Ich dank euch!

Ihr habt der Dichterin vergönnt zu nippen
An dieses Lebens süß umkränzten Kelch,
Zu nippen nur, zu trinken nicht.
O seht, gehorsam eurem hohen Wink
Setz ich ihn hin den süß umkränzten Becher
Und trinke nicht!

Vollendet hab ich, was ihr mir geboten,
Darum versagt mir nicht den letzten Lohn!
Die euch gehören, kennen nicht die Schwäche,
Der Krankheit Natter kriecht sie nicht hinan,
In voller Kraft, in ihres Daseins Blüte
Nehmt ihr sie rasch hinauf in eure Wohnung—
Gönnt mir ein gleiches, kronenwertes Los!—

O gebt nicht zu daß eure Priesterin
Ein Ziel des Hohnes werde eurer Feinde,
Ein Spott des Toren, der sich weise dünkt.
Ihr bracht die Blüten, brechet auch den Stamm!
Laßt mich vollenden, so wie ich begonnen,
Erspart mir dieses Ringens blut'ge Qual.
Zu schwach fühl ich mich länger noch zu kämpfen,
Gebt mir den Sieg, erlasset mir den Kampf!
(Begeistert.)
Die Flamme lodert und die Sonne steigt,
Ich fühl's ich bin erhört! Habt Dank ihr Götter!—
Du Phaon! Du Melitta! Kommt heran!
(Phaon auf die Stirne küssend.)
Es küsset dich ein Freund aus fernen Welten
(Melitten umarmend.)
Die tote Mutter schickt dir diesen Kuß!

Nun hin, dort an der Liebesgöttin Altar
Erfülle sich der Liebe dunkles Los!
(Eilt dem Altare zu.)

Rhamnes. Was sinnet sie? verklärt ist all ihr Wesen, Glanz der Unsterblichen umleuchtet sie!

Sappho (auf eine Erhöhung des Ufers hintretend und die Hände über die
beiden ausstreckend).
Den Menschen Liebe und den Göttern Ehrfurcht!
Genießet was euch blüht, und denket mein!
So zahle ich die letzte Schuld des Lebens!
Ihr Götter, segnet sie und nehmt mich auf!
(Stürzt sich vom Felsen ins Meer.)

Phaon.
Halt ein! Halt Sappho!

Melitta.
Weh sie stürzt! sie stirbt!

Phaon (mit Melitten beschäftigt).
Schnell Hilfe, fort ans Ufer! Rettung, Hilfe!