Leon.
So lebt denn wohl!
(Er geht, kehrt aber gleich wieder um.)
Doch noch ein Wort!
Zürnt nicht, ich kann wahrhaftiglich nicht anders.
So 'n Herr, so brav, daß selbst die kleinste Lüge,
Ein Notbehelf ihn aufbringt—Zürnet nicht!
Ich rede ja den Lügen nicht das Wort,
Ich meine nur—Daß so ein wackrer Herr—
Es muß heraus! daß so ein Herr—pfui geizig!
Was hat denn Geld so Schön's, daß Ihr's so liebt?
Gregor.
Wie kommst du darauf?
Leon
Würd'ger Herr, mit Gunst!
Ich sah Euch einen Sack mit Pfennig' küssen,
Der oben steht im Winkel Eurer Truhe,
Und hier spart Ihr Euch ab, um dort zu sammeln?
Nennt Ihr das recht? Seht Ihr, so sind wir wett.
Gregor.
Das also war's?
Leon.
Ja das. Und nicht bloß ich,
Auch andre Leute nehmen das Euch übel,
Und seht, das kränkt mich, Euern treuen Diener.
Gregor.
Da, seh ich, wird Rechtfertigung zur Pflicht.
Ein Seelenhirt soll gutes Beispiel geben,
Und nimmer komme Ärgernis durch mich.
Setz dich und höre, wie ich mich verteid'ge.
Leon.
Je Herr!
Gregor.
Ich sage: setze dich!
Leon.
Nun, hier denn.
(Er setzt sich auf die Erde vor dem Bischof nieder.)
Gregor.
Dich hat geärgert, daß ich Spargut häufe,
Das Geld geküßt, das ich mir abgedarbt.
Hör zu! Vielleicht, daß du mich dann entschuldigst.
Als man, es ist jetzt übers Jahr, den Frieden,
Den langersehnten, schloß mit den Barbaren
Jenseits des Rheins, da gab und nahm man Geisel,
Sich wechselseits mißtrauend, und mit Recht.
Mein Neffe, meiner einzigen Schwester Sohn,
Mein Atalus, war in der Armen Zahl,
Die, aus dem Kreis der Ihren losgerissen,
Verbürgen sollten den erlognen Frieden.
Kaum war er angelangt bei seinen Hütern
Im Rheingau, über Trier weit hinaus,
Wo noch die Roheit, die hier Schein umkleidet,
In erster Blöße Mensch und Tier vermengt,
Kaum war er dort, so brach der Krieg von neuem,
Durch Treubruch aufgestachelt, wieder los,
Und beide Teile rächen an den Geiseln,
Den schuldlos Armen, ihrer Gegner Schuld.
So liegt mein Atalus nun hart gefangen,
Muß Sklavendienst verrichten seinem Herrn.