Leon.
Geduld! Da braucht es schnellre Beine.
Und morgen denkt nur, Herr, Ihr habt geträumt,
Und alles das war nicht. Nun, gute Nacht!
(Zur Türe hinaus.)
Kattwald (sitzend).
Im Grund kann man dem Burschen gram nicht sein.
Er sagt grad alles 'raus und ist gar lustig.
Wär' ich an seiner Statt, ich macht's nicht anders.
Der Schlüssel wieder da und—
(Sein Kopf sinkt herab, auffahrend.)
Holla, Bursch!
Ja, er ist fort. Ich will von neuem schlafen.
Der Wein ist wirklich etwas schwer im Kopf.
(Er macht halbliegend mit der Schwertspitze den Vorhang los. Dieser fällt zu und bedeckt die Schlafstelle.)
————
Veränderung
Vorhof des Hauses wie zu Anfang des Aufzuges.
Leon (steht auf der Brücke).
He, Atalus!—Ich glaube gar, er schläft.
(Herabkommend.)
Ei immerhin! Was nützt auch all sein Graben,
Jetzt, da mißlang, was möglich macht die Flucht.
(Horchend.)
Er gräbt!—Oh, daß ich ihn gering geachtet,
Und er genügt dem Wen'gen, was ihm oblag,
Indes ich scheitre, wo ich mich vermaß.
(Nach rückwärts sprechend.)
Laßt ab!—Und doch vorher noch erst versuchen,
Ob also fest gefügt das Tor, die Flügel,
Daß keine Wut, die Wut ob eignem Unsinn—
(Er hat sich dem Tore genähert, plötzlich zurücktretend.)
Du güt'ger Himmel! Täuschen, meine Augen?
Trügt mich die Nacht?—Im Tore steckt ein Schlüssel.
Grabt immer, Atalus!—Es ist nicht möglich!
Wie käm' er hier, der nur erst kurz noch oben
Und doch blinkt er liebäugelnd mir herüber,
(hineilend)
Ich muß dich fassen—prüfen, ob—
(Den Schlüssel fassend und damit auf- und zuschließend.)
Er ist's!
Und Freiheit weht, wie Äther, durch die Fugen.
(Mit gefalteten Händen.)
So will der Himmel sichtbar seine Wege?
Stehn Engel um uns her, die uns beschirmen?
Edrita (die schon früher sichtbar geworden, jetzt vortretend).
Du irrst, kein Engel hilft, da wo der Mensch
Mit Trug und Falsch an seine Werke geht.
Leon.
Mit Trug und Falsch?
Edrita.
Du willst entfliehn.