Leon.
Ich hab es nie verhehlt.

Edrita.
Ei, ja, ja doch!
Und darum hältst du dich für wahr? Nicht so?
Hast du die Wahrheit immer auch gesprochen,
(die Hand aufs Herz legend)
Hier fühl ich dennoch, daß du mich getäuscht.
Drum hoffe nicht auf Gott bei deinem Tun,
Ich selber war's, die dir den Schlüssel brachte.
Du willst entfliehn?

Leon.
Ich will.

Edrita.
So, und warum?

Leon.
Frägst du, warum der Sklave sucht die Freiheit?

Edrita.
Es ging dir wohl bei uns.

Leon.
Dann ist noch eins.
Ich habe meinem frommen Herrn versprochen,
So fromm, daß, denk ich seiner Abschiedsworte,
Mit dem, was erst nur sprach dein Kindermund,
Ich in Beschämung meine Augen senke;
Versprochen hab ich ihm, den Neffen sein,
Dort jenen Atalus, zurückzubringen.
O kenntest du den heilig würd'gen Mann!

Edrita.
Mir sind nicht fremd die Heil'gen deines Volks.
Es wandern Christen-Priester wohl durchs Land,
Gewinnend ihrem Herrn verwandte Seelen,
Wofür sie Tod erdulden oft und Pein.
Sie lehren einen einz'gen Gott, und wahrlich,
(seine Hand berührend)
An was das Herz in gläub'ger Fülle hängt,
Ist einzig stets und eins. O fürchte nicht,
Daß, bleibst du hier, ich dich mit Neigung quäle.
Ich bin nicht, wie die Menschen oft wohl sind:
Ei, das ist schön! das soll nur mir gehören,
Und das ist gut! das eign' ich rasch mir zu.
Ich kann am Guten mich und Schönen freun,
Wie man genießt der Sonne goldnes Licht,
Das niemands ist und allen doch gehört.
Auch bin ich nicht mehr mein, noch eignen Rechts,
Obwohl ich schaudernd denke, wem ich eigne.
Es soll dir wohl ergehen, bleibst du hier.
Mein Vater ist nur hart im ersten Zorn,
Und jener andre—Nein, ich kann, ich mag nicht!
Bleib hier! das andre gibt der Tag, das Jahr.

Leon.
Wie aber stünd' es dann um meinen Freund?

Edrita.
Laß ihn allein der Rettung Wege gehn.