Die freie, isolierte Lage der Koppe macht sie zu einem Aussichtspunkte vorzüglichster, geradezu idealer Art, der, was Großartigkeit, Umfang und Mannigfaltigkeit der landschaftlichen Bilder anbelangt, mit den Rundsichten der bedeutendsten Berggipfel des gesamten deutschen Mittelgebirges, ja selbst mancher Punkte der Alpen, verglichen werden kann. Man übersieht bis zu 113 km Entfernung einen großen Teil von Böhmen einerseits bis gegen Mähren und Baiern, andrerseits bis tief in das benachbarte sächsische und preußische Gebiet hinein; durch das Fernrohr wird die Grenze der Aussicht in der Luftlinie sogar bis zum Ödschloßberge bei Bergreichenstein im Böhmerwalde (145 km), bis zum Keilberge im Erzgebirge (149 km), selbst bis zur Wallfahrtskirche am Kremeschnik zwischen Pilgram und Iglau an der böhmisch-mährischen Grenze (152 km) hinausgerückt. Der Glanzpunkt des Panoramas liegt gegen West und Südwest auf das malerische Gewirr der vulkanischen Bergkegel des Mittelgebirges.

Schon vom Vorraume der Koppenwirtschaft, wo das erst in neuerer Zeit eingewanderte strahlenblumenlose Mutterkraut (Matricaria discoidea DC.) üppig zu wuchern pflegt, bietet sich ein herrliches Bild, das man sich, einige Schritte weiter, auf der gegen Norden steil abfallenden Plattform, wo das große Kreuz steht, zum Rundbilde ergänzen kann.

Ein willkommenes Andenken und ein erwünschtes verläßliches Orientierungsmittel ist das von Leopold Ullrich aufgenommene, von Karl Bertrand in Stahl gestochene, von A. Schöpfer in Reichenberg 1884 verlegte »Panorama vom Jeschken« auf vier großen Blättern. Darauf seien alle Jene verwiesen, die sich eingehender unterrichten wollen; im Nachstehenden können wir nur ein gedrängtes Bild des Sichtbaren geben.

Nordost: Zu unseren Füßen Ober- und Niederhanichen, weiter Johannestal, l. davon Franzendorf vor der malerisch ausgedehnten Stadt Reichenberg, die sich von keiner Seite so günstig zeigt; l. von Franzendorf liegt Berzdorf hinter Karolinsfeld; r. von Reichenberg das reich besiedelte, industriereiche Neißetal mit Röchlitz, Maffersdorf, Proschwitz und Gablonz; dahinter das Isergebirge, u. zw. gerade hinter Reichenberg im Hintergrunde das Taubenhaus mit Vogelkoppen (l. daneben) und Mittagsberg, im Vordergrunde der hohe Berg, tiefer der Turm der Hohenhabsburg neben dem Schmidtsteine; l. von der Hohenhabsburg der Drachenberg vor der Langen Farbe, r. von jener der Friedrichswalder Kamm mit Königshöhe (Turm) und Seibthübel (Turm), weiter Schwarzeberg, dann Sieghübel; weiter rückwärts l. hinten die Tafelfichte (an ihrem r. Abhange, über dem Wittigberge, geht am längsten Tage die Sonne auf), dann der Hinterberg und der Hochstein. Ost: R. von Hanichen liegt Eichicht; hinten schließt sich das Riesengebirge ans Isergebirge, u. zw. Reifträger, hohes Rad mit Schneegrubenbaude (gerade über Gablonz), Schneekoppe mit ihren Baulichkeiten (hinter ihr geht die Sonne genau am 22. Sept. auf) und Brunnberg, während nach vorn zu der Spitzberg bei Tannwald, die Stefanshöhe (Turm), die Schwarzbrunnkoppe, die Häuser von Marschowitz und Schumburg, noch näher der Kaiserstein l. von Langenbruck zu sehen sind. Südost: Der kahle Jeschkenrücken, der mit dem Kopainberge (Turm) endet, dann folgt der Kosakow vor dem Switschinberge, der Ruine Kumburg und dem Taborberge, r. davon die Stadt Turnau und die Großskaler Felsen, die zweizinkige Ruine Trosky, die Kegel und Kuppen der Gitschiner Gegend (Prachower Felsen) und am äußersten Horizonte Heuscheuer, hohe Mense (etwas r. über Langenbruck) und Deschnaer Koppe. Süd: Die Stadt B. Aicha, davor der Hühnerberg, dahinter der Musky und Ruine Sweretitz bei Backofen, weiter Jungbunzlau und Schloß Neubenatek, r. davon im Vordergrunde die Hlawitzer Kirche, dahinter die Stadt Weißwasser, am Horizonte der Dablitzer Berg, das Sternschloß und der Laurenzibergturm bei Prag. Südwest: Die Teufelsmauer, dann die Stadt Oschitz, dahinter l. die beiden Bösige (Ruine) und Schloß Hauska, r. der ruinengekrönte Dewin hinter dem Krassaberge und vor den beiden Hirschbergen, daneben der spiegelnde Hammerteich mit dem Dorfe Hammer und der Stadt Wartenberg vor dem Roll, l. hinter diesem Ruine Altperstein, weiter die Nedoweska und im Hintergrunde der Georgsberg bei Raudnitz (Kapelle); überm Roll der gewölbte Wilsch, dann die doppeltürmige Hasenburg bei Libochowitz, weiter der Hoblik bei Laun, noch weiter das Duppau-Karlsbader Gebirge; r. vom Roll der spitze Ron (Ruine), die Koselspitze, der breite Geltsch, der Kreuzberg bei Leitmeritz, dahinter der Milleschauer (Höhenwarte) und r. hinter diesem der Keilberg im Erzgebirge (Turm), näher das Mückentürmchen bei Graupen. West: Zu Füßen Drausendorf, dann hinter einander der Audishorner Spitzberg, der Tolzberg und das Schwoikaer Gebirge, l. davon der Leipaer Spitzberg (Turm) und der Kamnitzberg (Turm), im Hintergrunde der Zinkenstein; r. von diesem der hohe Schneeberg (Turm); im Vordergrunde folgt auf Drausendorf der Silberstein und die Rabensteine mit den lang sich hinziehenden Kirchdörfern Seifersdorf und Kriesdorf dazwischen, dahinter die Stadt Deutschgabel, dann die Stadt Zwickau und der Röhrsdorfer Bahnhof am Fuße des Kleis; r. von diesem der Kaltenberg (Turm) und zwischen beiden hinten der Rosenberg und der gr. Zschirnstein; r. vom Kaltenberge der gr. Winterberg (Turm) bei Herrnskretschen. Nordwest: Hochwald (Turm) und Lausche (Gasthaus) hinter einander, l. davon Tannenberg (Turm), hinten Tanzplan (Turm) und Valtenberg (Turm), r. Wolfsbergspitze (Turm) und Botzen, im Vordergrunde der bewaldete Jeschkenrücken mit Moiselkoppe, Kalk- und Langeberge; zwischen letzteren beiden hindurch sieht man die Stadt Zittau, den Kottmar (Turm) und den Löbauer Berg, im Hintergrunde den Czornebog bei Bautzen (Turm) nebst einer Menge kleinerer Ortschaften. Nord: Machendorf am Zusammenschlusse des Christofsgrunder mit dem Neißetale, darüber Kratzau vor dem Gickelsberge und ganz draußen die Stadt Görlitz mit der Landeskrone.

Auf der Jeschkenkoppe befindet sich neben dem Koppenhause eine vom deutschen Gebirgsvereine aufgestellte große Tafel, auf welcher die Abstiegswege mit den Marken und den Zeitangaben enthalten sind. Es sind folgende: 1. Auf dem Steilwege nördlich über den letzten Pfennig und Karolinsfeld oder über die schöne Aussicht und Johannestal oder auf dem Kamme südöstlich über Hanichen in je 1½–2 Stunden nach Reichenberg (Station der Südnorddeutschen Verbindungsbahn, der Außig-Teplitzer, der Zittau-Reichenberger und der Reichenberg-Grünwalder Eisenbahn); 2. Auf dem aussichtsreichen Kamme über die Kühnei entweder zur Station Heinersdorf in 1½ Stdn. oder zur Station Langenbruck in 2–2½ Stdn.; 3. Auf dem Kalkwege über Karlswald zur Station Machendorf in 1½–2 Stdn.; 4. Über den Dänstein nach Station Neuland 1¼ Std. oder weiter über Christofsgrund nach Station Machendorf in 2½ Std.; 5. Über die Moiselkoppe und den Kriesdorfer Sattel in 1½ Std. zur Station Kriesdorf. Die vorletzte Strecke deckt sich zum Teil, die letztere ganz mit unserer Kammtour.

Unser Abstieg von der Jeschkenkoppe geschieht auf dem breiten und bequemen Wege, der längs der Fernsprechleitung in 30 Min. hinabführt auf die, seit 1866 in ihrer heutigen Gestalt bestehende, waldumschlossene Jeschkenstraße, und zwar auf deren höchsten Punkt (772 m) im Auerhahnsattel, der Sattelhöhe zwischen Jeschkenkoppe und Schwarzeberg (816 m), zugleich der Hauptwasserscheide zwischen Elbe (Jeschkenbach) und Oder (Berzdorfer Bach), von wo sie sich in vielen Windungen östlich über Hanichen nach Reichenberg, westlich über Kriesdorf nach Wartenberg und nach B. Aicha senkt. Der Auerhahnsattel ist die höchste Übergangslinie über das Jeschkengebirge und führt vornehmlich den Namen »Ausgespann«, weil vor dem Baue der jetzigen Straße die Vorspänne bis hieher verkehrten und in einer einfachen Schankhütte Unterstand fanden. Auf den fünf Seitenflächen einer granitischen Säule daselbst sind die Örtlichkeiten verzeichnet, welche man von hier auf bezeichneten Wegen erreichen kann: Jeschkenkoppe, Reichenberg, Machendorf, Christofsgrund, Kriesdorf, Hammerteich, Oschitz und B. Aicha.

Wir folgen der Jeschkenstraße wenige Schritte nach l. und lenken sofort r. auf einen breiten Fahrweg ab, der auf eine weite Waldblöße hinausführt, aber schon nach 1 Min. sich wieder gabelt. Hier ist eine Markentafel aufgerichtet, welche l. (blauer Punkt in weißem Felde) in 1–1½ Std. nach Kriesdorf, r. aber auf unseren Kammweg, bzw. nach Neuland-Christofsgrund (1½ Std.) verweist.

Bevor wir auf letzterem weiter wandern, machen wir auf dem Kriesdorfer Wege einen Abstecher zu dem nur ein paar Schritte entfernten, mächtigen, dürren Baumstumpfe, der nur noch einen einzigen längeren Ast aufweist und ein kleines, blechumrahmtes Bild, die schmerzhafte Muttergottes darstellend, trägt. Die auffällige Baumruine, deren knorrige Rinde dicht mit Flechten und Moosen überwuchert ist, so daß sich nicht mit Sicherheit erkennen läßt, welcher Baum-Art sie angehört haben mag, verdient es, daß man nicht achtlos an ihr vorübergeht, zumal sie vom Stifte des Künstlers in Professor Paudler's Kammwegbuche verewigt wurde; ihren Fortbestand sichert übrigens das Heiligenbild.

Und nun weiter. In kaum 3 Min. überschreiten wir die Waldblöße. Rückwärts lassen wir dabei die in unmittelbarer Nähe mächtig aufragende Koppe, vor uns winkt die Moiselkoppe, zur L., in welcher Richtung ein hübsches Echo hervorgerufen werden kann, haben wir den Rollberg bei Niemes, den Limberg bei Wartenberg und den Tolzberg bei Gabel neben einander, davor den Spitzberg bei Audishorn. Hochstämmiger Nadelwald nimmt uns auf, in ihm 1½ Min. abwärts, dann l. ein Hau, über welchen hinaus nach rückwärts abermals die Jeschkenkoppe erscheint. Dann wieder durch 5 Min. etwas abwärts zu einer Art Schneiße, die wir queren und die wiederum rückwärts auf die Koppe und den ruinenartigen »roten Stein« (841 m) an seinem westlichen Abhange, l. auf das Gelände zwischen Oschitz und B. Aicha einen Ausblick gestattet. Nach weiteren 5 Min. auf anfangs etwas ansteigendem, dann ziemlich ebenem Waldwege, wo man sich allenfalls an Heidelbeeren laben kann, trifft man bei einem Wegweiser, der l. an einem Baume hängt und die Entfernung von da bis zur Jeschkenkoppe mit ¾ Stunden angibt, abermals auf eine lichtere Waldstelle, wo wir die Moiselkoppe vor uns, l. (durchblicksweise) Dewin mit Hammerspitz zwischen den Bösigen und dem Roll, rückwärts die Jeschkenkoppe, r. aber ganz nahe, auf der Höhe des Dänsteins eine grell vom Horizonte sich abhebende, abenteuerlich ausgezackte Quarzklippe erblicken. In 2 Min. sind wir in gerader Richtung etwas abwärts schreitend, wieder in dichterem Walde, steigen in demselben 1½ Min. lang hinab und stehen sodann – 20 Min. vom Ausgespann ab – auf dem Oberkriesdorfer Sattel, einer großen, an Arnica reichen Waldwiese, die von einem Wege gequert wird, der r. über den steilen und waldigen westlichen Abhang des Dänsteins (gelbrote Marken) aus Neuland, und zwar aus dessen oberstem, 524 m hoch gelegenen, 20 Min. entfernten Ortsteile Haudorf heraufkommt und l. nach Oberkriesdorf hinüberführt, dessen oberste, 593 m hoch am Jeschkenbache waldumsäumt gelegene Häuser südöstlich zum Vorschein kommen – ein ebenso malerischer, wie unerwarteter Ausblick. Dahinter sieht man an der zum Auerhahnsattel hinaufführenden Jeschkenstraße noch zwei, zu Kriesdorf gehörige Einschichten, nämlich das bekannte Gasthaus Prokop (Kleinsemmering) an der Gabelung der nach B. Aicha und Kriesdorf führenden Straßenstrecken und noch ein zweites Gasthaus, l. davon den gr. und den kl. Jeschken, der sich mächtig gegen Südwest hinlagert; r. vom Prokop den Hühnerberg bei Zwetlai, davor einige Häuser von Hodek an der nach B. Aicha führenden Straße. Zwei Markentafeln verweisen auf Neuland-Christofsgrund (1 Std.), Jeschken (1–1¼ Std.) und Moiselkoppe-Neuland (1 Std.).

Letzterer Weg ist der unsere. Er führt auf dem Damme, der die Wiese l. begrenzt, an den Waldrand, längs welchem wir, die Wiese zur Rechten, 4 Min. lang aufwärts wandern, wobei wir nach r. rückwärts einen Blick gewinnen auf die Vogelkoppen und das Taubenhaus im Sattel zwischen der Sauplatsche (große Lichtung) und dem Dreiklafterberg. Dann sind wir wieder im beiderseitigen Walde, wo nach 3 Min. l. eine Wiese folgt, hinter welcher man stark bergab zu einer zweiten, reichlich mit Arnika, hohen Schlüsselblumen (Primula elatior Jacq.) und langsporniger Nackt-Orche (Gymnadenia conopea R. Br.) bestandenen Wiese rechterseits gelangt mit Ausblick auf den Langenberg. Nach 3 Min. versperrt uns wieder beiderseitiger Wald die Aussicht; erst eben, dann abwärts kommen wir nach einander an drei Quellen vorüber, Zuflüssen des Neuländer Grundbaches. Der Weg steigt dann wieder etwas bergan und geht später eben weiter; schöne Quarzbrocken mit eingefügtem Chloritschiefer, eine Zierde für jedes Terrarium, besäumen ihn; nach 7 Min. treten wir auf eine Waldlichtung heraus, wo wir zum ersten Male einen fesselnden Ausblick auf das Neuland-Christophsgrunder Tal gewinnen; l. ist der Langeberg, r. der Sommerhau bei Berzdorf mit der Waldstraße, im Hintergrunde in der Richtung des Tales der Gickelsberg sichtbar. Noch ein paar Schritte und wir sehen zur L. eine mächtige Schutthalde unmittelbar am Wege, den Abraum eines darüber gelegenen Steinbruches, in welchem, den Fundstücken nach zu schließen, gelegentlich des Bahnbaues Grünstein gebrochen wurde, der von bis fingerstarken Kalkspatschnüren und -platten durchzogen ist. Herr v. Zimmermann, Chemiker in Leipa, besitzt schöne Handstücke aus diesem Bruche.