Oft saß sie auf einem zierlich gezäumten Roß, mit Schellen und Trotteln, als Edelfräulein, den Jagdfalken auf der Hand. Dann war es, als ob allen eine Erscheinung aufginge, es kam etwas Erhabenes in diese jungen Köpfe, und der jüngere der Professoren ging manchmal an den Steigbügel, hob sie herab und drückte ihr einen scheuen Kuß auf die Stirn.

Nach solchen Tagen schritt sie taumelnd durch die Straßen, mit schlottrigen Kleidern, eine Nachtwandlerin, oder saß an den Ufern des Flusses und griff nach den Lichtfetzen, die die Strahlen der Bogenlampen ins Wasser rissen.

Keiner wagte es auszusprechen, was alle fühlten. Künstler waren wohl kaum darunter. Indessen, diese jungen Leute waren sich bewußt, einen vom alltäglich bürgerlichen etwas abweichenden Standpunkt einnehmen zu müssen, auch in den Äußerungen ihres Gefühlslebens, und sie mühten sich darum. Sie waren ihr dankbar, daß sie ihnen gleichsam die Gelegenheit bot, ihre Zugehörigkeit zur Kunst zu empfinden und vor sich selbst zur Schau zu tragen.

Ein Flackern kam in ihre Augen, und mancher krümmte sich wie unter einem Spott. Es war wie eine geheime Abmachung unter ihnen, ein Schauer, der jeden gefangen hielt, der die groteske Tragödie eines schal gewordenen Märchens mitanzusehen gezwungen war. Es gährte in diesen Köpfen, eine Wut stieg auf und ein Begehren, wenn die Straßenmodelle den Saal verlassen hatten.

Manchmal saß sie nackt auf dem Pferde, und Bäume waren rings herum aufgestellt, die mithelfen sollten, die Idee einer längst verbrauchten Romantik in die Wirklichkeit umzusetzen. Es blieb ein Torso, und sie litten darunter. Ihre Kraft erlahmte, und ihre Kunst ging weit, weit fort. Aber sie schwiegen.

Unter den vielen war einer, der rang mit sich in manchen Nächten, und sein heißes Blut schrie.

Der Rausch und die Ruhe begann zu schwinden, der Blick wurde beseelt und bewußt, und einer, der draußen vor der Stadt das Gurren der Tauben vernahm, schlug sich vor die Stirn: er kannte es wieder.

Aufregung hatte sich aller bemächtigt, mit dem schwindenden Rausch entwand sie sich ihnen.

Es gab keine Märchen mehr.

Einmal kam der ältere der Professoren zu seinem Kollegen und fragte: „Der H. hat mir erzählt, du willst heiraten?“