Da nahm er sie an der Hand und führte sie hinaus. Drinnen johlten die anderen. Er trug sie in sein Zimmer und küßte sie. Die Lichter verlöschten. Der Lärm kam aus weiter Ferne und drang nicht mehr zu ihnen. Ab und zu hörte man ein Schlürfen, verwischte Laute sich entfernender Stimmen, ein letztes Poltern.

Die Stunden waren bitter, da er mit ihrer Seele rang, aber sie wurde blind — vor dem Tier, das vor ihr winselte und bettelte.

Wozu? Der Löwe und die Katze — — fühlte sie.

So nahm er sie.

Es folgten Tage wie Feuerbrände und die Stunden des ersten Erwachens. Sie schlug ihn blutig. Er fesselte sie an den Bettpfosten. Und immer stand sein Diener Bill, der abends die Gewichte schleppte, dabei, unbeweglich, lauernd, immer bereit, alle Wünsche zu erfüllen und die Befehle seines Herrn sofort zu vollziehn.

So erkannte sie sich wieder und die Erinnerung kam. Sie reisten ab. Sie wohnte bei seinen Eltern, und er nannte sie seine Braut. Dann reiste sie mit ihm. Es lag etwas Verjüngtes in seinen Schritten, die Blicke verloren das Starre, Herzlose — während sein Weib in einem Hotelzimmer verblutete.

Er betrog sie in Brüssel und Marseille und gab Unsummen aus für Brillanten, mit denen er sie, um seiner Eitelkeit zu schmeicheln, herausputzte. Schließlich hatte er sich sogar an sie gewöhnt und fühlte einen Anflug von Liebe, wie er Schlächtergesellen eigen ist. Manchmal dachte er daran, ein Gut zu kaufen und so im bürgerlichen Leben unterzutauchen. Mit der Zeit sehnte er sich sogar danach. Sie wurde von den Französinnen und Engländerinnen beneidet, manche beschenkten sie. Oft fuhr sie des Nachts in Gesellschaft auf dem Züricher See, man war freundlich zu ihr und wollte ihn kennen lernen. Dann kam sie manchmal nach Haus und biß ihn, daß man auf seiner Brust abends die Spuren sehen konnte. Oder sie schlug ihm vor dem Hotelpersonal die Faust ins Gesicht.

Er wurde weich wie ein Kind und liebte sie. Monatelang nahm er kein Engagement an. Und auch Bill wurde entlassen.

Seine Mutter drängte sich an sie und schmeichelte, wie Schlächterfrauen zu schmeicheln pflegen. Die ganze Familie fing wieder an zu verarmen, niemand arbeitete.

Da, eines Tages, nahm sie aus dem Koffer den Rest seines Geldes und blieb verschwunden. Krank, mit fiebernden Augen bat sie bei ihrer Mutter um Unterkunft.