Aus ihren Träumen kam hin und wieder ein Auflachen, das man um Mitternacht um dunkle Straßenecken hört.
III.
Tage und Wochen vergingen. Tiefste Bitterkeit kämpfte mit wiedererwachter Sinnlichkeit, es wurde ein Haß des Vernichtenwollens, des letzten Auslöschens. Die Männer, die ihr bisher im Leben begegnet waren, gaben das Bild ab, an das sich ihre Erregungen klammerten. Sie bespie und verfluchte sie und glaubte, sie mit Füßen treten zu müssen. Oft saß sie mit starren Blicken, die Hände zusammengekrampft, und träumte, sie hielte eine Gurgel umkrallt.
Visionen erschienen ihr und erfüllten sie mit Ekel. Dann ging sie nachts in ein Rummellokal und tanzte mit den Mädchen von der Straße, wild und zügellos. Aller Blicke begleiteten sie, die Weiber beschwerten sich, manche fauchten, die Männer blieben still.
Es war ihnen ein Kribbeln in die Glieder gefahren, ein frischer Rhythmus, sie streckten sich und ihre Gesichter wurden geschäftig, als ob jeder sie erwartete, und jeder eine Mission zu erfüllen hätte. Der Tanzmeister, bei dem man sich beschwerte, aber dachte: Vielleicht ist noch ein Geschäft mit ihr zu machen — und zuckte lächelnd die Achseln.
An einem dieser Tage war es, daß sie erschöpft zusammenbrach, und einer der umstehenden Jünglinge bedauernd sagte: Wie ein gehetztes Reh. Das Wort durchzuckte sie wie ein Blitzstrahl und wurde eine Erkenntnis für sie. Immer wieder wiederholte sie für sich: Gelt, wie ein gehetztes Reh.
Wie ein Kind, das die Mutter streichelt: Geltel — wie ’hetztes Reh. Zitternd lief sie nach Haus und weinte.
Anderntags kamen Kriminalbeamte und holten sie zur Polizeiwache. Es handelte sich um die überall übliche Verleumdung seitens einer Freundin, die die Beamten auf sie aufmerksam gemacht hatte.
„Wir kennen Sie schon —“ so empfing man sie.
Die Leute da hatten ein selbstbewußtes, fettes Lachen, ihre Bäuche zitterten vor Vergnügen und der, der das „Mensch“ zu verhören hatte, trommelte mit dicken Tintenfingern auf dem Pulte herum. Er wackelte mißtrauisch mit dem kahlen Schädel.