Als ihr Zug in der Morgendämmerung in die Halle einlief, empfand sie ein so unendliches Siegesgefühl, einen Rausch wiedergewonnener Freiheit, der sie beglückte. Langsam ging sie nach dem Innern der Stadt zu, um den heraufkommenden Morgen zu erwarten. Sie wollte vorläufig bei irgendeiner entfernteren Bekannten ihrer Mutter wohnen.

Bitteres Weh drängte sich auf: Arbeiten und gut werden — dann kam es ihr aber wieder sehr lächerlich vor, und sie lachte.

Ihr Weg führte an den Markthallen vorbei. Robuste Gesellen luden das Fleisch auf. Wildes Stimmengewirr.

Die Schritte wurden zögernd, zitternd wollte sie vorbeischleichen. Die niedrigen und blutrünstigen Begierden dieser Leute hatten sie indessen schon gewittert.

Sie fing an zu laufen. Rohe Worte prasselten hinter ihr drein. Einer lief nach, erhaschte den flatternden Rock und wischte sich seine blutigen Hände drin ab. Knochenstücke flogen der Fliehenden an den Kopf.

Tolles Johlen toste hinter ihr drein, bis es langsam im Lärm der ein- und ausfahrenden Wagen unterging.

Blutbefleckt, mit Straßenkot bespritzt, schleppte sie sich auf eine Promenadenbank und brach zusammen.

Eine mitleidige Frau brachte sie in ihr Haus und ließ sich erzählen.

Drei Tage und drei Nächte saß sie in einem dunklen, kahlen Zimmer, das sie für wenige Pfennige gemietet hatte. Dann schrieb sie nach Haus und bat um Reisegeld.

An einem Sonnabend kam sie zurück, mit toten, kalten Blicken, voll Ekel und Verachtung.