Man sollte sie vor den Bauch treten — — das Aas — — dachte sie.
„Du wirst schon deiner alten Mutter noch Glück bringen,“ tröstete die, „ich habe noch nichts gehabt in meinem Leben, du bist noch jung und die Männer — sei schlau —“
Ja, du Aas — treten —
Und eines Tages kam ein Mann — Fabrikbesitzer oder so was —, der sie von früher her flüchtig kannte und auf der Straße jetzt gesehen hatte, und machte ohne alle Umschweife ein Gebot. 300 Mark monatlich und für später eine größere Summe.
Die Mutter tänzelte und setzte Kaffee an, sonstige Hausfreunde wünschten Glück.
Sie aber mühte sich verzweifelt um einen Gedanken, der allen Dreck wegwischen könnte, aber sie fand ihn nicht und ging fort, ohne mit dem Mann zu sprechen. Dem Kerl wurde bedeutet, er solle noch warten und nächstens wiederkommen. Er ging, seelenvoll, mit schmerzlichem Augenaufschlage grüßte er die Bekannten, die er traf, und wartete. Er hatte es sich eigentlich anders gedacht.
Den gleichen Nachmittag kam noch ein anderer Mann, an den man geschrieben hatte. Er stellte Künstlertruppen zusammen und reiste. Nach der Türkei und Rußland, durch Österreich und Italien. Auch er machte ein Angebot: Freie Wohnung, freies Essen, freie Kleidung, freier Unterricht in Gesang und Tanz. Als sie zurückkam, traf sie ihn noch an. Er war entzückt und wollte nochmal seine Frau mitbringen.
„Damit Sie sehen, daß es bei mir anständig zugeht,“ meinte er.
Sie fühlte nichts mehr, alles war in ihr welk und abgestorben. Um ihre Mundwinkel lag dämonische Grausamkeit.
Sie nahm sich von ihrer Mutter die goldene Uhr, die nach allerdings zweifelhaften Angaben ein Erbstück war, und verkaufte sie einem Trödler. Noch denselben Abend reiste sie in die nächste Hauptstadt. Sie fühlte: Nur fort. Allein sein. Weit fort von diesen Leuten.