Da sagte er: „Sprich nicht so laut. Meine Mutter ist krank, zwei Zimmer weiter — — —“ und wies mit der Hand.
„Du — — —“ sie knackte mit den Fingern, es klang gurgelnd, drohend, ein Befehl, dann aber in eisiger Ironie: „komm mit.“
Er nahm ein Bild vom Schreibtisch und schenkte es ihr. Mit resignierter Miene überreichte er die Widmung: Daß ich noch einmal u. s. w.
Dann ging er mit ihr durch die Straßen. Sie waren still und bedrückt. Plötzlich lachte sie auf, gröhlte und summte vor sich hin. Einen Gassenhauer mit höchst eindeutigem Text. Er war starr, wie aus dem Gleis geschleudert, grinste indigniert und benahm sich auch sonst seltsam, wie es ein Mann tut, den die Verlegenheit überrascht. Was ist das nur, so wunderte er sich, aber er schwieg, und sie wurde auch wieder still. An ihrer Wohnung verabschiedete sie ihn, und er versuchte seinem Mienenspiel, das noch immer eine gewisse Bestürzung zeigte, einen hündischen, treu besorgten Zug mit beizumischen.
Wenige Stunden später polterte es an ihrer Tür.
Er war betrunken und bat um Einlaß. Die Haare waren zerzaust, die Kravatte verschoben. Mit funkelnden Augen stand er da, bald flüsterte er Kosenamen, dann wieder besann er sich und stammelte von einer dringenden Angelegenheit oder seufzte weh und verzichtend, wie von Schmerz zerrissen, dann wieder drückte er an die Klinke, und sein Gesicht wurde weich und zart. Aber die Tür blieb verschlossen. Er schwor sogar, daß er für sie alles aufgeben wolle, aber sie schwieg und rührte sich nicht. Ein neuer Rausch war über sie gekommen, eine dumpfe Macht, die sie verwirrte und gefangen hielt.
Sie schrieb an den Herrn v. B., der sie seit einigen Tagen verfolgte, ein Billet: „Erwarten Sie mich noch heute nach Schluß, und bringen Sie den Pelz mit.“
Herr v. B. sprang von seinem Divan auf. Was ist das? — — Jaso — — der Pelz. Dann betrachtete er im Spiegel wohlgefällig sein hageres Gesicht, den englischen Schnitt. Er lächelte überlegen.
Abends brachte er einen wundervollen echten Pelz, einen entzückenden Pelz. Sie hüllte sich hinein und war wieder Kind. Plauschte und stotterte, die ganze Gesellschaft nahm sie gefangen.
Herr v. B. feierte Triumphe. Seine Freunde — die ganze Stadt — — oh, es war wirklich ein Triumph. Er war fast traurig und gerührt, seine Augen wurden gläsern.