Sein allmähliches Unterliegen genoß er wie eine unaussprechliche Seligkeit. Er fühlte im Innersten eine Fülle aufsteigen, die seine Zweifel nicht mehr zu durchdringen vermochten. Das Äußere wurde leicht und frei, seine Freunde suchte er nicht mehr auf.
In ihre Küsse mischte sich unmerklich Sehnsucht und quälte.
Er erschrak, aber das stündliche Auf und Nieder seiner Stimmungen ließ Überlegungen nicht aufkommen. Sie schrieb ihm:
Wie der Nordwind braust durch der Eichen Zweige und Wipfel, so will ich mich einwühlen in das Geäst deiner Seele und bei dir sein Tag und Nacht. Denn du bist meine Heimat. Oder sie erinnerte sich: Weiß denn die Nachtigall warum sie singt ihr süßes Lied?
Plötzlich war die Sehnsucht Herr über sie geworden. In ihren Küssen stand das Blut gegen sie auf und zwang sie.
Im Taumel vergaßen sie sich und alles, was sie über ihre Liebe geschworen hatten.
Noch einmal wurde er aus dem Rausch zurückgerissen. Er sah eine Vision . . . wie ein Stab zerbrochen wurde . . . . . aber er fühlte: Weiter!
Sie fürchteten sich und zitterten. Er schritt kopfschüttelnd durch die nächtlichen Straßen und dachte: Wer bin ich — — — wie ist alles gekommen . . . gerade ich . . . Er tappte im dunklen. Im Geiste sah er turmhohe Felswände aufstehen, die ihn zu erdrücken drohten, und sah tausend Wege zu sich und neue Möglichkeiten. Aber er rührte nicht daran. Dann setzte er seinen Weg fort und erinnerte sich: „Ja, ich will dich lieben . . . .“
VIII.
Was ist das Leben? — so grübelte er — Dämmerschlaf, Minuten des Erwachens, eine Sekunde der Erkenntnis oder nur der so kurze Rausch des Erkennens? Der Rest ist Verwesung — — Was ist das Leben?