Der Rat der Stadt war in arger Bedrängnis. Der Bürgermeister las das Schreiben, das die Ankunft des Gefangenen ankündigte und schüttelte den Kopf. Es kam ihm dunkel zu Bewußtsein, daß man etwas Besonderes von ihm verlange.
Bald war es den Schustern und Schneidern und sonstigen Leuten bekannt. Eine furchtbare Aufregung kam in die Stadt. Alles lief hin und her. Die Fleischer schlugen Wurstbuden auf, die Bäcker boten frische Semmeln und Brezeln aus, die Komödianten bauten die bereits abgerissenen Zelte wieder auf. Ratsherren liefen mit hochroten Köpfen umher und erzählten einander im Flüstertone, daß etwas ganz Außerordentliches bevorstehe. Der Bürgermeister fieberte. Seine Frau, die lange Jahre bei Pfaffen gedient hatte, besaß mancherlei Erfahrung in Sitten und Rechten. Sie verstand sich darauf, daß der Herzog noch am gleichen Tage hingerichtet werden müßte. Der Bürgermeister schwitzte.
Die Schöffen drängten, sogleich das Gericht abzuhalten. Der und jener hatte keine Zeit, die Weiber kneiften am Portal des Rathauses, fahrende Musikanten spielten zum Tanz auf. Es war ein Volksfest, das dem Herzog bei seinem Einzug in die Stadt entgegenflutete.
Der Weg bis Neiße hatte ihn weidlich belustigt. Die Komödie war köstlich und dieser Empfang . . .
Er lachte, daß es von einem Tor bis zum anderen schallte.
Das Volk johlte und jubelte auf den Straßen.
Es lag so gar kein Unwillen und Haß darin, so daß Nikolaus nachdenklich wurde.
Was hat dieses Volk, dachte er, sie sind Kinder, die ein Spielzeug zerbrechen, warum lachen sie . . .
Er wurde vor den Rat geführt.
Jemand las einen langen Schriftsatz vor.