Säge mit M-Zähnen. Skizze von Leonardo da Vinci, um 1488–1497.
Mögen die Sägezähne auf Zug oder Stoß gestellt sein, immer bedingen sie Verlust an Zeit, weil man die Säge der Zahnstellung entgegen wieder zurückbringen muß. Es war deshalb eine bedeutsame Erfindung, die Sägezähne so anzuordnen, daß sie sowohl beim Zug als auch beim Stoß wirkten. Man könnte glauben, diese Erfindung sei eine absichtliche Vereinigung unserer stoßenden Säge mit der ziehenden Säge der Orientalen. Solche Schlüsse aber darf man in der Geschichte der Erfindungen nicht machen. Aus Abbildungen des Altertums und des Mittelalters und aus den wenigen gefundenen Stücken ist nicht zu ersehen, welche Gestaltung die Zähne hatten. Man kann nur annehmen, daß die Formgebung bei jedem Meister, der Sägen machte, eine willkürliche war. Der erste, von dem wir mit Sicherheit wissen, daß er M-förmige Zähne bewußt verwandte, war Leonardo da Vinci, der vielseitige italienische Künstler und Generalingenieur[39]. Aus den tausenden Skizzen, die Leonardo aus seiner technischen Praxis, wie auch als Erfinder hinterlassen hat, besitzen wir in einem kleinen, zu Paris aufbewahrten Notizbuch die hier ([Seite 35]) wiedergegebene Skizze, unter der die Worte stehen: »Doppelte Säge, die ziehend und stoßend operiert.« Dieses Notizheft Leonardos stammt aus den Jahren 1488–1497[40].
Sägewerk mit Handbetrieb und Drehbank. Skizzen von Leonardo da Vinci ums Jahr 1500.
Leonardo da Vinci beschäftigte sich auch mit der Konstruktion von Sägewerken. Den Antrieb zu einem solchen skizziert er dicht neben dem frühsten bekannten Entwurf zu einer Drehbank mit Tretvorrichtung ([Seite 35]). Die Drehbank stößt mit dem Spindelstock-Balken und dem Fußtritt an das Schwungrad des Sägewerks, es ist also nicht schwer, die Zeichnungen der beiden Maschinen auseinander zu halten. Die Säge sitzt in einem Rahmen und wird oben und unten von je einer Kurbel gefaßt. Unten trägt die Kurbelachse eine Schwungscheibe, und wir müssen annehmen, daß die beiden Kurbelachsen irgendwie zwangsläufig verbunden waren. Der Antrieb der unteren Kurbel erfolgt mittelst einer am Ausgang des Mittelalters gebräuchlichen Hand-Schubstange.
Eine Reihe kleiner Skizzen von Leonardos Hand bezieht sich auf Sägewerke, doch diese Skizzen sind nur flüchtig ausgeführt und stark vergilbt. Da sie nichts Bemerkenswertes bieten, lohnt sich die Wiedergabe nicht[41].
Daß man in holzreichen Ländern die Axt der Säge vorzog, lesen wir in der »Natürlichen Historie von Norwegen«, die 1753 erschien. Es heißt dort: »Vor der Mitte des 16. Jahrhunderts behaute man jeden Stamm und spaltete ihn mit der Axt in zwei Planken, da er jetzt sieben bis acht Bretter gibt, da denn das meiste Holz in Spähne zersplittert wird. Dieses geschieht noch an einigen Orten, wo keine Sägewerke in der Nähe sind, insonderheit auf Sudenöer und im Amte Nordland, wo sehr viele Jagden und Böte aus lauter dergleichen gehauenen Brettern gebauet werden, die zwar doppelt so stark sind, aber auch allzuviele Stämme kosten«[42].
Mit der Angabe, daß man bis ums Jahr 1550 in Norwegen hauptsächlich mit der Axt arbeitete, stimmt die Nachricht überein, daß erst um 1530 das erste Sägewerk in Norwegen angelegt wurde[43].
Den späteren Kaiser Maximilian sehen wir in seiner Jugend mit einer großen Säge in der Hand auf einem Holzschnitt von Hans Scheuflein aus dem Jahre 1514 ([Seite 37]). Der junge Fürst ist hier als Lehrling der Zimmerleute dargestellt[44].