Im Jahr 1709 sägte ein Italiener, der in Kassel ansässig war, Mosaik-Steine mit einer »zärtern Säge, von doppeltem übereinander gedrehtem Drat«[36].
Der Kuriosität halber sei hier ein Versuch angeführt, den man 1850 machte: »Papierscheiben von 6 Zoll Durchmesser, die mit einer Umfangs-Geschwindigkeit von 500 Fuß per Secunde rotiren, schleifen von englischen Feilen an den entgegengehaltenen Stellen den Hieb augenblicklich ab«[37].
Zwei Metallsägen und eine türkische Säge des Kurfürsten August von Sachsen von etwa 1570.
Als »türkische Sägen« bezeichnet man heute diejenigen, deren spitze Sägezähne auf das Sägeheft hin stehen. Diese Sägen schneiden also nicht beim Stoß, sondern beim Zug. Das Wort »türkisch« hat nach alter Überlieferung die Bedeutung »weit hinten, im Orient«. Und in der Tat: irgendwo im Orient liegt eine Grenzlinie, jenseits der verschiedene technische Bewegungen entgegengesetzt den Bewegungen bei uns verlaufen. Einige Beispiele: die weisende Spitze der Nadel im Kompaß ist bei den Chinesen und Japanern die nach Süden zeigende, das Hobeleisen steht mit der Schneide gegen den Arbeiter hin, man dreht die Schraube nach links hinein und nach rechts hinaus. So sägt man auch jenseits dieser noch unbekannten Grenzlinie im Orient ziehend, nicht stoßend. Dies ist besonders bei den Chinesen und den Japanern der Fall.
Prächtig verziertes großes Sägeblatt aus dem Besitz des Kurfürsten August von Sachsen. Um 1570.
Die älteste mir bekannte Säge dieser Art wird im Historischen Museum zu Dresden aufbewahrt (Abbildung Seite 33 unten). Sie stammt aus dem Besitz des Churfürsten Vater August von etwa 1570.
Als »ostindische Sägen« wurden die beim Zurückziehen wirkenden Sägeblätter im Jahr 1834 in unserer technischen Literatur bekannt, und es wurde dabei darauf hingewiesen, daß das Sägeblatt hier viel dünner sein könne. Mithin säge man mit einer ostindischen Säge leichter, als mit einer europäischen[38].