Auf zwei Böcken liegt ein schweres Bord, das von zwei Mann zersägt wird. Beachtenswert sind an der hier abgebildeten Säge die beiden voneinander verschiedenen Handgriffe. Der obere sitzt an zwei schräg stehenden Eisen in der Verlängerung des Rahmens, der untere auf dem Querholz des Rahmens.
Ein Vergleich mit der Preisliste einer heutigen französischen Sägen-Fabrik ergab, daß diese Form der Säge noch in Frankreich zu finden ist. Es ist beachtenswert, wie sich die Formen der Werkzeuge oft Jahrhunderte lang unverändert erhalten. Rechts im Vordergrunde sehen wir neben dem Mann, der ein Loch in das Gebälk bohrt, eine der im Mittelalter beliebt gewesenen schwertförmigen Stichsägen. Bei diesen Sägen stehen die Zähne immer auf Stoß und die Zahnkante ist bauchig. Der Griff ist so lang, daß er mit beiden Händen erfaßt werden kann. Griff und Sägeblatt sind durch einen runden Schutzteller von einander getrennt.
Bohr-Säge aus dem Dresdner Zeughaus. Etwa von 1640.
Die Säge ist das Symbol des Propheten Jesaias, den wir hier ([Seite 30]) mit einer mächtigen Trecksäge mit rundem Rücken sehen. Die technisch wie künstlerisch gleich wertvolle Darstellung ist von einem unbekannten Meister in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Kupfer gestochen worden[33].
In den Ingenieur-Handschriften, die im Mittelalter vor Erfindung des Buchdrucks für Städte und Burgen zu Verteidigungszwecken geschrieben wurden, wird die Säge als notwendiges Werkzeug häufig erwähnt.
Da wir die Zeiten verlassen, die man als Mittelalter bezeichnet, wären einige Spielformen von Sägen zu besprechen.
Im Zeughaus zu Schwarzburg in Thüringen wird ein Schwert aufbewahrt, das an einer Kante der Klinge eine starke Säge trägt. Die Klinge ist 108 cm lang, nahe der Spitze befindet sich ein Loch. Hier zog man ein Seil durch, um einen zweiten Mann an der Säge anfassen zu lassen. Diese eigenartige Verbindung von Waffe und Werkzeug soll ums Jahr 1490 entstanden sein.
Im Germanischen National-Museum zu Nürnberg wird ein Kriegswerkzeug aufbewahrt, das man »Bohr-Säge« nennen könnte ([Seite 31]). Es besteht aus einem starken hölzernen Stiel von 120 cm Länge, der an einem Ende mit einer kräftigen Eisentülle versehen ist. Aus dieser Tülle läßt sich ein vierkantiges Werkzeug herausziehen und durch ein eingeschobenes Eisen feststellen. Oben trägt das Werkzeug einen Bohrer und darunter eine kräftige Säge. Man näherte sich mit diesem Stück einem feindlichen Tor, bohrte dieses an und sägte dann schnell das Schloß oder die Schloßnieten heraus. Die ausgezogene Säge hat eine Länge von 28 cm. Diese Bohrsäge stammt aus dem Dresdner Zeughaus und ist, wenn man eine Datierung versuchen soll, wohl ums Jahr 1640 entstanden[34].
Seilsägen waren bei den Bewohnern der Landenge von Panama in Gebrauch, ehe die Europäer nach Amerika kamen. »Die Einwohner machen Seile von einem gewissen Kraute, welches von ihnen Neqvon oder Henechen genennet wird, und solche Blätter hat, die einer Distel ähnlich sehen, mit denen sie so, wie wir mit dem Hanff oder Flachs, umzugehen pflegen, und sie nicht allein zum binden brauchen, sondern auch Eisen damit zu schneiden: Denn sie ziehen diese Stricke wie eine Säge hin und her, und thun das rauhe Ende auf die Stelle, wodurch sie schneiden wollen.« Der Berichterstatter vergaß hier zu sagen, ob die Eingeborenen mit den Pflanzenfasern allein mühsam sägten, oder ob sie Corund, Schmirgel oder etwas ähnliches hinzufügten[35].