Ums Jahr 1398 wurde im Mendelschen Stiftungsbuch der 47. Bruder der Stiftung, Karl Schreyner, porträtiert ([Seite 27]). Wir sehen ihn an einer der damals gebräuchlichen sehr einfachen Hobelbänke bei der Arbeit. Die Bank hat noch keine Schraubklemmen, sondern nur Löcher zum Einschlagen hölzerner Bankpflöcke. Im Vordergrund steht eine Truhe und daneben ein kleiner Schrank. An der Wand der Werkstätte hängt eine schön geschweifte Rahmensäge.

Rahmensäge mit drehbarem Sägeblatt. Malerei vom Jahr 1444.

Eine ähnliche Säge sehen wir beim 136. Bruder der Mendelschen Stiftung, der 1444 starb ([Seite 28]).

Sägen französischer Zimmerleute aus dem Jahr 1460.

Zwei interessante Sägen sind auf einem militärischen Zimmerplatz zu sehen, der im Jahr 1460 in einer französischen Bilderhandschrift sorgfältig dargestellt ist. Die in der Nationalbibliothek zu Brüssel befindliche Handschrift verherrlicht die Taten Karls des Großen[32]. Auf einem der Bilder (oben) ist ein Brückenbau zu sehen, der von den Soldaten Karls des Großen vor einer feindlichen Festung ausgeführt wird. Die an der Brücke arbeitenden Werkleute sind durch eine Plankenwand gegen die feindlichen Geschosse, die damals keine große Reichweite hatten, geschützt. Hinter der Brücke steht — anscheinend auf Pontons — ein sogenannter Wandelturm, von dem aus die Bedeckungsmannschaft der Handwerker den Feind in der Festung beschießen kann.

Der Prophet Jesaias mit der Säge. Kupferstich des 15. Jahrhunderts.

Am Ufer sehen wir werktätiges Leben: es wird alles hergerichtet, was zum Bau notwendig ist. Im Hintergrund, am Wald, werden die gefällten Bäume von Zimmerleuten zugerichtet und im Vordergrund zu Konstruktionen zusammengesetzt.