Im Jahr 1589 finde ich den ersten Hinweis auf eine gezahnte Säge aus Metall, die Metall schneiden kann. Giambattista della Porta, ein vermögender Edelmann aus Neapel, der lange Reisen im Ausland gemacht hatte, verfaßte in zweiter Auflage im Jahr 1589 ein Buch, darin er alles das sammelte, was er im Gegensatz zu der Masse seiner Zeitgenossen als »Natürliche Magie« ansah. So erklärte er eine ganze Reihe von physikalischen und technischen Vorgängen und zeigte durch Experimente, daß hier keinerlei Zauber und Hexerei vorkomme. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er eine gehärtete »Säge aus dem Stahl«, die so kräftig sei, »daß sie Eisen schneide.« Dies ist sicherlich eine der frühsten, wenn nicht die frühste Nachricht von einer Kaltsäge.
Einfache Steinlage, nach Veranzio, um 1600.
Porta sagt in der gleichen Stelle auch, daß man Eisen unter Beifügung von Schmirgel und Öl mit einem Kupferdraht schneiden könne[57].
Portas Vorschlag scheint in dem betriebsamen England nicht unbeachtet geblieben zu sein; denn am 11. Dezember 1618 erwarb Bewis Bulwer eines der ersten britischen Patente auf eine Sägemaschine zum Zersägen von Eisenbarren. Er wollte aus den abgesägten Streifen Nägel herstellen[58].
Säge zum Zerkleinern von Brasilholz, Ausschnitt eines Kupferstiches von 1613.
Besondere Sägen hatte man früher, um das sehr harte, als Farbholz geschätzte Brasilholz zu zerkleinern. Den Namen hat dieses Holz nicht von Brasilien, sondern es war schon Jahrhunderte vor der Entdeckung dieses Landes in Europa bekannt und hieß »lignum bresilium« oder »lignum braxillii«[59]. In Nürnberg bildeten die Brasilholzstoßer oder »Prisilgstoßer« ein eigenes Gewerbe[60].
Sträflinge, Brasilholz sägend, Kupferstich von 1663.