Eine selbständige Sägenindustrie gab es in Deutschland damals noch nicht. Die Eisenwaren-Fabriken machten schlecht und recht Sägen mit anderen Werkzeugen zusammen. Das ersieht man am besten aus einer Zeichenrolle vom Jahr 1765, in die auf Anordnung des Kurfürsten Karl Theodor v. Berg die Warenzeichen der im Bergischen Land tätigen Handwerker niedergelegt — meist in Siegellack abgedruckt — sind. Da manche Handwerker angaben, wie lange ihre Vorfahren diese Zeichen schon führten und für welche Gegenstände sie die Zeichen verwendeten, kann man die bergische Sägenfabrikation bis etwa zum Jahr 1600 zurückführen. Hundert Jahre später — um 1700 — sind schon viele Werkzeugmacher in dieser Industrie beschäftigt. Heute sind in Remscheid eine Anzahl Fabriken ausschließlich mit der Herstellung von Sägen beschäftigt. Unter ihnen ist die im Jahr 1822 — also vor 100 Jahren — gegründete, im Besitz der Firma J. D. Dominicus & Soehne befindliche Fabrik eine der ältesten. Das älteste deutsche »Fabriken- und Manufacturen-Address-Lexicon« von J. C. Gädicke (erschienen 1799) kennt selbständige Sägenfabriken nicht. Es sagt: »Sägeblätter, mehrartige, lange, dünne, auf einer Seite mit Zähnen versehene Werkzeuge, so die Eisenfabriken nach Gewicht, Dutzenden oder Stücken in den Handel bringen«.
Eissäge, aus der Illustr. Zeitung, 1858.
Eine Säge, die sowohl wegen der Antriebsart, als auch wegen ihrer Wirkungsweise für die Zeit, da sie aufkam, originell ist, stammt vom Erfinder des Dampfhammers, vom englischen Ingenieur Nasmyth. Dieser ausgezeichnete Konstrukteur setzte 1849 eine ungezahnte, weiche, kreisförmige Stahlscheibe auf die Welle einer Dampfturbine. Er erhielt also eine Umdrehungsgeschwindigkeit von mehreren tausend Drehungen in der Minute. Näherte man dieser Rundsäge Schmiedeeisen, ungehärteten oder gehärteten Stahl, hartes Messing oder andere Metalle, dann entstand eine breite Schnittfuge, aus der die Metallteilchen in glühendem Zustand als gewaltige Funkengarbe herausschossen. Man hat diese Sägen »Schnellreibsägen« genannt[92].
Transportables Dampfsägewerk, 1857.
Besonders starke Sägeblätter wurden zu den Ausrüstungen der Polarexpeditionen des vergangenen Jahrhunderts angefertigt. So sehen wir auf [Seite 63] ein Bildchen von der Expedition des »Northstar«, der in den 40er Jahren in das Polarmeer gefahren ist, um den verschollenen Nordpolfahrer Franklin aufzusuchen. Man hatte diese Säge mitgenommen, um das Schiff, wenn es ins Eis eingefroren war, heraussägen zu können. Das Blatt hatte eine Länge von 20 Fuß. Es wurde, wie wir sehen, an einem Strick gezogen und unten im Wasser durch ein Gewicht beschwert.
Ein transportables Dampfsägewerk (unten), das man im Wald aufstellte, wurde 1857 auf der Wiener Ausstellung bekannt. Das Gerüst der Maschine wird zwischen zwei Bäumen befestigt. Auf diese Weise wollte man Zeit und Arbeit ersparen und auch den Holzverlust, den die Axtarbeit mit sich bringt, vermeiden. Der Erfinder dieser Maschine war der sächsische Ingenieur Ludwig Zeschke[93].
Transportables Handsägewerk, 1861.