Wo der Mensch vor vielen hundert Jahrtausenden seine werktätige Laufbahn begann, nahm er den Dorn des Waldes, den spitzigen Stein und den scharf gebrochenen Knochen eines verendeten Tieres, um zu schaben, zu bohren, zu glätten. Es gab keine Werkleute und keine Werkstattsregeln. Tastend mußte jeder Urmensch den Widerstand der Materie zu überwinden suchen. Was gab es auch viel zu tun? — Die ersten Menschen trugen Waffen und Werkzeuge noch als Gaben der Natur bei sich: muskulöse Kiefer mit starken Zähnen, lange Arme mit kraftvollen Händen und einen gedrungenen Körperbau auf Füßen, die den Händen gleich gebrauchsfähig waren. Keine Sorge um Wohnung, Kleidung und Gerät. Nur ein kleines Hirn, das die Listen des Tieres und die widrigen Naturgewalten überlisten wollte.

Hunderte von Jahrtausenden, Zeiten von einer Ausdehnung, gegen die die paar tausend Jahre unserer Kultur winzig sind, mußten vergehen, bis die Urmenschen sich Arbeitsmethoden zu eigen machten. Von da ab bewahrten sie in ihren Höhlen den spitzen Stein als Bohrer, den knolligen als Hammer, den scharfkantigen als Schneidewerkzeug. Und dann begann der Wettkampf, denn wer das schärfste Messer hatte, bekam vom gefallenen Wild das größte Stück. Und neben dem Hunger waren es Habsucht und Geiz und Selbstsucht und Roheit, die unsere Ur-Urväter zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen trieben und sie zur Erzeugung neuer Werke mit immer neuen Werk-Zeugen zwangen.

So finden wir denn in den ältesten sichtbaren Siedelungen der Menschen tief unter der heutigen Erdoberfläche rohe steinerne Äxte, steinerne Schaber, steinerne Messer, steinerne Bohrer und Pfrieme, steinerne Pfeilspitzen, knöcherne Nadeln, Angelhaken und Harpunen, und Schleifsteine für solche Knochenwerkzeuge. Funde dieser Art, aus der sogenannten älteren Steinzeit, sind zum Teil weit über 25000 Jahre alt.

In der jüngeren Steinzeit, die in Mitteleuropa zwischen 5000 bis 2000 Jahre vor unserer Zeitrechnung liegt, werden die steinernen Waffen und Werkzeuge in ihren Arten nicht nur vermehrt, sondern an den Arbeitskanten und auf den Oberflächen auch sorgsam geschliffen und poliert. Wir werden bald hören, wie die jüngere Steinzeit mit Säge und Sägemaschine zu schaffen wußte.


Ehe wir uns die Entwicklung der Säge von vier Jahrtausenden ansehen, müssen wir uns darüber klar werden, daß man wohl bis zur Hälfte dieser Zeit die Säge recht gut entbehren konnte. Der vor einigen Jahren verstorbene Südseeforscher Finsch zeigte mir einmal, als ich ihn in seinem Braunschweiger Museum besuchte, wie die von fremder Kultur unberührten Südseevölker ein Stück Holz zerteilen: sie schaben mit einem scharfen Stein, der in einem Handgriff befestigt ist, in das Holz gemächlich eine Rinne. Dann drehen sie das Holz um und arbeiten sich mit dem scharfen steinernen Zahn noch einmal in das Holzstück hinein. Je nach der Dicke des Holzes wird die Arbeit mit dem Steinzahn so lange fortgesetzt, bis der Eingeborene das Stück mit wuchtigem Schlag zwischen den beiden Rinnen zu Bruch bringen kann.

Ich sehe nicht ein, weshalb man diese Technik nicht »sägen« nennen soll, stößt doch ein scharfer Zahn nach und nach eine Rinne in ein Werkstück. Wir tun heute beim Sägen nichts anderes, nur fügen wir im Werkzeug viele Zähne aneinander und lassen diese mit größerer Geschwindigkeit durch das Material hindurchgehen.

Wir werden aber noch von den Römern und weit später von den Nordländern hören, daß man in Zeiten großen Holzreichtums gar nicht an ein Zersägen der Stämme dachte, sondern die Bretter mit der Axt heraushaute.