Steinerne Säge, um 3500 vor Chr.

Wie die Säge in der älteren Steinzeit aussah, erkennen wir an einem (s. Abb.) schönen, handgroßen Stück einer bei Flensburg gefundenen Säge aus Feuerstein, die sich im »Museum für Völkerkunde« in Berlin befindet. Es ist deutlich zu erkennen, daß die schwach gebogene Kante dieses Stücks absichtlich gezähnt ist.[1]

Eine hölzerne Schäftung solcher steinernen Sägen ist erst aus der jüngeren Steinzeit bekannt. Auch Schäftungen aus Horn kommen damals vor.[2]

Diese gezähnten steinernen Sägen wurden zur Zerteilung von Holz benutzt. Wollte man Steine zerteilen, dann benutzte man ein aus dem Holz herausgespaltenes dünnes Brett, das man unter Zugabe von scharfem Sand schleifend über den Stein bewegte.

Rekonstruierte Sägemaschine für Steine, um 3500 vor Chr.

Wir haben aus der jüngeren Steinzeit, als man die steinernen Waffen und Werkzeuge an ihren Oberflächen sorgsam schliff, wiederholt Steinbrocken gefunden, die eigentümliche Sägeschnitte aufweisen. Sägt man mit einer steinernen oder hölzernen Säge, dann wird der Schnitt am Anfang und am Ende gewöhnlich tiefer in das Material hineingehen, als in der Mitte des Werkstückes. Der Schnitt wird um so mehr konvex verlaufen, je ungeübter oder sorgloser die menschliche Hand arbeitet. Bei den aufgefundenen Steinbrocken verläuft der Schnitt aber konkav, d. h. er hat in der Mitte des Werkstücks seine tiefste Stelle. Das läßt sich erklären, wenn man eine besondere Sägemaschine annimmt. An der gleichen Fundstelle sind die in den Steinen liegenden Bogen stets die gleichen. Mithin ging die Säge in einer Führung mit gleichbleibendem Radius (s. Abb.). Der Straßburger Archäologe Robert Forrer hat an Hand solcher Steinfunde eine Sägemaschine rekonstruiert, wie sie rund ums Jahr 3500 vor unserer Zeitrechnung benutzt wurde. Sie entspricht im Aufbau einer gleichzeitigen Steinbohrmaschine.[3] Wir erkennen auf einem Grundbrett A eine Säule B, sie trägt auf einem Holzzapfen oben in einer Bindung einen wagerecht liegenden Hebel C. Damit dieser Hebel nicht seitlich ausweichen kann, wird er von zwei Balken E, die oben durch Bindung im nötigen Abstand gehalten werden, geführt. Auf den Hebel ist ein Stein D gebunden, um beim Sägen einen gleichmäßigen Druck zu geben. Der schon erwähnte Sägearm F trägt unten in einem Schlitz die steinerne oder hölzerne Säge. Wird sie über den darunterliegenden Werkstein hinweggeführt, dann entsteht — bei hölzernen Sägen unter Hinzugabe von Sand — der Sägeschnitt. Selten wird man diesen Schnitt tief in den Stein hineingeführt haben. Dann drehte man den Stein um und sägte von der anderen Seite einen gleichen Schnitt, so daß man den Stein zwischen den beiden Schnitten zerschlagen konnte.[4]

Bronzene Sägeblätter aus Ägypten.