72.
Wie der Teufel Kanonen und Schießpulver erfinden läßt.

Der Holzschnitt, den unsere Abbildung nach einem Original vom Jahr 1544 wiedergibt, knüpft an den Bericht alter Kriegsbaumeister, daß ein deutscher Mönch, genannt Berthold der Schwarze, der Erfinder der Schießpulvergeschütze sei, an. Neuere Forschungen haben ja auch ergeben, daß der schwarze Berthold ums Jahr 1380 irgendwo in Deutschland als wissenschaftlicher Reformator auf dem Gebiete der Artillerie tätig war. Aber noch Jahrhunderte lang waren die Chronisten und die Dichter dem Manne gram, der das „graußamn vnd erschröcklich püxengeschütz erfundten“ hatte. Man erklärte seine Erfindung als eine Einflüsterung des Teufels und fluchte ihr noch lange. Wir sehen deshalb auf dem Bildchen auch den Teufel als den Urheber der Erfindung, den Mönch nur als sein willenloses Werkzeug. Das Bildchen zeigt zwei getrennte Vorgänge nebeneinander: rechts den Teufel und den Mönch beim Pulvermachen, links die beiden an einer Kanone beschäftigt. Beim Pulvermachen führt ein häßlicher, fliegender Teufel den Stössel mit seinem Maul. Am Geschütz umarmt ein Teufel liebevoll den Mönch, der beim Laden ist. Im Vordergrunde sitzt ein häßliches Tier, wie ein Dudelsack anzusehen, das mit seinem Rüssel Schießpulver aus einer Schüssel frißt. Es soll auf die unheimlichen Töne hindeuten, die das anscheinend harmlose Pulver zu geben vermag.

Wie der Teufel dem Mönch das Geschütz und das
Schießpulver erfinden hilft, Holzschnitt von 1544.


73.
Geschütze aus Holz.

In einem dem Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen ums Jahr 1620 gewidmeten Manuskript wird ein dreiläufiges, aus Holz anzufertigendes Geschütz dargestellt. Es sei „ein sonderbahren hultzern Hagell Geschütz, Welches denn Hagell sehr weit von sich wirfft undt solches eine geraume Zeit treibt, wirdt in Sturmes nöthen sehr nützlichen von den Defensoren gebraucht“.