70.
Feld-Uhren.

In früheren Zeiten muß man einer richtig gehenden Uhr im Kriege keine Bedeutung beigelegt haben; denn in der Kriegsliteratur ist nur sehr selten von Uhren die Rede, und nur ein einziges Mal fand ich eine Uhr für das Feld abgebildet.

Ums Jahr 360 vor Christus sagt der griechische Kriegsschriftsteller Ainaias, man verwende einfache Wassergefäße mit einer kleinen Ausflußöffnung, um im Felde die Zeit zu messen. Je nach der Jahreszeit verstopfte man die Öffnung mehr oder weniger durch Wachs, um bei kürzeren oder längeren Nächten eine gleichmäßige Einteilung der Nachtwachen zu erhalten. Die erwähnte Abbildung einer Wasseruhr für den Krieg fand ich in dem Buch von Valle aus dem Jahre 1521.

Wasseruhr fürs Feld, Holzschnitt von 1521.

Ein Wassereimer hängt an einem Seil, an dessen anderem Ende 24 Gewichte übereinander angebracht sind. Je mehr Wasser aus dem Eimer abläuft, um so leichter wird er. Mithin würde er immer schneller nach oben steigen. Nun legt sich aber in jeder Stunde eines der Gewichte auf den Fußboden, und gleicht dadurch den Gewichtsverlust an Wasser aus. Mithin bewegt sich der Zeiger am Eimer gleichmäßig über die 24 Stundenzahlen. — Ob mit genügender Genauigkeit?


71.
Von Mund- und Ziehharmonikas.

Mund- und Ziehharmonikas, im Felde heute die beliebtesten Musikinstrumente, sind Berliner Erfindungen. Sie wurden von Christian Friedrich Ludwig Buschmann erfunden, und zwar in den Jahren 1821 und 1822. Sie hießen damals Mund-Aeoline und Hand-Aeoline. Die Mundharmonika, auch Aura genannt, geht auf die deutschen Brummeisen des ausgehenden Mittelalters zurück. Das Brummeisen bestand aus einem eisernen Bügel, in dem eine Zunge schwingend angeordnet war. Blies man gegen diese Zunge, so entstand ein brummender Ton. Wie man den Geschützen im Mittelalter Namen gab, die man von ihrem Aussehen, oder ihrem Ton herleitete, so nannte man einzelne Geschütze auch Trummel, Maultrommel oder Brummerin. Diese Benennung leitet sich von den Brummeisen oder Maultrommeln her. Im Berliner Zeughaus liegt noch heute ein französisches Prachtgeschütz vom Jahre 1535, auf dem man ein solches Brummeisen bildlich dargestellt sieht. Ein ganz ähnliches Geschütz ist in das Arsenal von Woolwich gekommen, und dort noch vorhanden. In der Literatur erwähnt wird die Maultrommel wohl zuerst im Jahre 1658 von dem berühmten Pädagogen Comenius in seinem „Orbis pictus“. Es ist also nicht richtig, daß man den Jesuiten Kircher als den Erfinder der Maultrommel bezeichnet. Er beschrieb sie nur im Jahre 1673.

Die Ziehharmonika von Buschmann war noch äußerst primitiv. Eine weite Verbreitung erlangten solche Instrumente seit 1829 durch den Wiener Klaviermacher Demian unter der Bezeichnung „Acordion“. Ursprünglich hatten die Instrumente fünf Tasten, die je einen Akkord zum Ansprechen brachten. Knöpfe an Stelle der Tasten führten Bichler und Klein 1834 ein. 1843 erfand Band in Krefeld die komplizierte Form der Ziehharmonika, das Bandonion.