Vor mehr als dreihundert Jahren kam jemand auf die sonderbare Idee, das Tellereisen nicht nur auf der Jagd, sondern auch im Kriege zum Menschenfangen zu verwenden. Es hatte sich damals in Festungskriegen eine besondere Art von Geschossen, die sogenannte Petarde, bewährt. Diese Petarden bestanden aus starken, eisernen Gefäßen, die man mittels eines Ringes an ein Festungstor hing, um dieses aufzusprengen. Die Erfindung geschah um 1575 in Frankreich, und ihre erste Anwendung versuchte man zur Breschierung des Tores von Ambert im Jahre 1577. Deutschland lernte die Petarde am 23. Dezember 1587 am Rheintor von Bonn kennen. Hatte sich ein Soldat mit einer Petarde bei Nacht und Nebel an eines der Stadttore geschlichen, so gab es für das Tor kaum noch eine Rettung. Nach wenigen Minuten war die Zündschnur abgebrannt, und die Pulverladung der Petarde hatte in das Holz des Tores Bresche gelegt. — Boillot sagt 1598 zu dem obenstehenden Kupferstich, diese Erfindung könne an vielen Orten dienlich sein, um die „Petardierer und andere vorhaben zu verhindern auch solche, die dergleichen understünden umzubringen oder zu beschedigen“. Man soll das Instrument vor einem Tor aufrichten, anhängen oder flach niederlegen. Wer es in der Mitte berühre, werde „beschädiget, auch der gestalt gefesselt und angehalten werden, daß jhme unmüglich, sich darvon zu entledigen“. Aus der nun folgenden Beschreibung möchte man entnehmen, daß die Tellereisen damals noch nicht allgemein bekannt waren, denn der Verfasser beschreibt das Instrument in allen seinen Teilen äußerst umständlich. — Vielleicht regen diese Zeilen dazu an, dem Ursprung des Tellereisens weiter nachzugehen.


84.
Zielfernrohre und Distanzmesser im 17. Jahrhundert.

An Geschützen und Gewehren ist das Zielfernrohr heute eine alltägliche Zugabe geworden. Es wird deshalb interessieren, etwas über das hohe Alter der Instrumente zu erfahren. Vor der Erfindung der Fernrohre — sie sind wahrscheinlich nicht in Holland im Jahre 1608, sondern in Italien vor dem Jahre 1590 erfunden worden — benutzte man zum Distanzmessen zwei im Winkel zu einander bewegliche Maßstäbe mit zwischengeschobenem Sinusmaßstab. Man maß die Entfernung also nach den Regeln der Trigonometrie, indem man sich zwischen Geschütz und Ziel ein rechtwinkliges Dreieck konstruierte. Die Verbindungslinie zwischen Ziel und Geschütz, also die gesuchte Entfernung, war die eine Kathete des Dreiecks, zugleich dessen Höhe. Der rechte Winkel lag beim Geschütz. Die Basis des Dreiecks war der eine Maßstab. Die Hypotenuse wurde von der Basis aus durch den zweiten Maßstab auf das Ziel hin visiert und nun durch den Sinusmaßstab dieser Basiswinkel gemessen. Da man jetzt die Länge der Basis und die beiden Winkel an der Basis kannte, mußte die an dem Sinusmaßstab abgelesene Entfernung der Länge der zweiten Kathete, d. h. der Zielentfernung entsprechen.

Im Jahre 1608 erschien von Leonhard Zubler, einem Züricher Büchsenmeister, eine damals hochgeschätzte Schrift, welche die Verwendung eines solchen Distanzmessers erläuterte. Der Titel der Schrift lautet: „Newe Geometrische Büchsenmeisterey, d. i. Grundlicher Bericht, wie man durch ein new Geometrisch Instrument mit sonderer Behendigkeit jedes Geschütz nit allein richten, sondern zugleich auch desselben Höhe und Weite messen soll.“ Tatsächlich sind mit dieser Ankündigung die Aufgaben, welche Zubler seinem Instrument stellt, noch keineswegs erschöpft. Es soll nämlich nicht nur zum Richten und Justieren des Geschützes, sondern auch zum Distanzmessen, zum Höhenmessen und Terrainaufnehmen dienen. Von den Gewohnheiten der Büchsenmeister, all ihr Wissen geheimnisvoll zu gestalten, konnte sich Zubler auch noch nicht frei machen, deshalb bleibt vieles in seiner Schrift dunkel. Vielleicht kam es aber auch dem Mann darauf an, durch seine Schrift die Fachgenossen aufzufordern, seine persönliche Unterweisung zu suchen, um das Nähere über die Verwendung des Instrumentes zu erfahren.

Der erste, der von der Anwendung eines Fernrohres zum Distanzmesser spricht, ist der um die Kriegswissenschaften hochverdiente Philosoph Leibniz. Er sagt im Jahre 1670 in einem an Spinoza gerichteten Brief, er habe eine neue Form der Linse eines Fernrohres erdacht, welche zugleich als Distanzmesser dienen könne. Leider gibt er die Konstruktion nicht an.


85.
Ein Telegraph im Jahre 1616.

Optischer Telegraph, Kupferstich von 1616.