Unter Alexander dem Großen konstruierte der Ingenieur Diades einen Widder, dessen Balken auf einer Reihe kleiner Walzen lagerte, auf denen er mittels Flaschenzügen hin- und hergezogen wurde. Wir haben es hier also schon im 4. Jahrhundert vor Christus mit einer der erst in jüngster Zeit wieder so beliebten Walzenlagerungen zu tun. Die Walzenlager sind mit den Rollen- und Kugellagern verwandt, und dienen wie diese dazu, die Reibung an Maschinen möglichst zu verringern. Also eine anscheinend ganz moderne technische Idee vor über 2200 Jahren!
Widder, um 875 v. Chr.
Aber, der von den Römern in seiner Erfindung so eingehend geschilderte Widder war im Orient längst bekannt. Wir sehen nämlich auf unserer Abbildung, die von einem der Reliefs am Königspalast von Nimrud in Assyrien stammt, einen fahrbaren Widder dargestellt, dessen in der Höhenlage verstellbarer Balken unter einem sicheren Schutzdach hervor die feindlichen Mauern bereits im 9. Jahrhundert vor Christus erfolgreich berennt.
Feuerwidder, um 1540.
Mit der Einführung des Wassergrabens vor den Festungsmauern verlor der Widder seine praktische Bedeutung. Dennoch fand ich ihn in mittelalterlichen Handschriften häufig wieder. Er hat aber dort sein Wesen anscheinend geheimnisvoll verwandelt. Wir erkennen aus unserer nächsten Abbildung einen solchen Widder nach einer in Berlin aufbewahrten kriegstechnischen Handschrift von 1540. Eine schriftliche Erklärung dieses Widders habe ich noch nicht gefunden. Zunächst fällt es auf, daß der Widderbalken rund ist und hinten nicht aus seinem Wagen herausragt, dann sehen wir, daß aus einem Schornstein des Wagens geheimnisvoller Rauch quillt. Es wird also hinter dem Flechtwerk und den das Dach schützenden Ochsenhäuten — an denen man zur Erhöhung des Eindrucks der Maschine die Schädel gelassen hat — ein Feuer geschürt, das seine große Flamme vorn zu dem metallenen Widderkopf heraussprühen läßt. Vermutlich dient also dieser Feuerwidder weniger zum Anrennen, als zum Anbrennen.