Mit Küssen
Dein
Fz.
Ich bin sehr frisch und guter Dinge voll, Gruß an Lisbeth.
28. II. 16.
L.,
es geht mir gut. Wetter leidlich. Wir sind freilich wieder zur Primitivität der ersten Kriegswochen zurückgekehrt. Aber ich fühl mich ganz frisch und bin guter Stimmung. Bleib’s Du auch.
Grüße. In Liebe
29. II. 16.
L., eben habe ich eine ruhige Minute in einem französischen Unterstand um Dich zu grüßen, was ich so hundertmal im Tage thue. Sei versichert, es geht mir nicht schlecht. Es ist halt doch was anderes, als Offizier einen Bewegungsfeldzug mitmachen wie ehemals als U.-Off.! Aber die Arbeit und Verantwortung ist natürlich oft riesig. Wir sind jetzt zu zweit, Lt. M. und ich und haben doch zuweilen kaum die Kraft, unsrer Riesenkolonne die innere Organisation zu erhalten. Ich kann allerdings nicht leugnen, daß diese Arbeit, die viel moralische Kraft erfordert, für mich nicht ohne Reiz ist. Solange der Manöverbetrieb in L. war, war es mir oft innerlich sehr peinlich. Jetzt aber weiß man, wozu man Offizier ist und auf seinem Posten steht. Über das Eine freu ich mich: daß meine Nerven von einer wirklich erstaunlichen Unberührtheit sind. Von meiner Verwendung als Artilleriebeobachter kann jetzt natürlich gar keine Rede sein, — Du brauchst Dich in keiner Weise zu ängstigen. Ich bin neugierig wie diese ganze Operation noch hinausgeht, — wir sind gänzlich ohne Nachrichten. Von München kam etwas Post, von Dir leider nichts. Man muß sich gedulden. Ob Du wohl noch in Bonn bist? Ich schreibe Dir gleichzeitig ein Kärtchen nach Ried für alle Fälle. Dieser tiefbeschämende schmachvolle Krieg muß ja jetzt bald ein Ende nehmen. Ich bin ganz vertrauensvoll. Mit Küssen und Streicheln
Dein guter alter
Franz.