L., ich schrieb Dir gleichzeitig nach Bonn, — ich hab von Dir lang keine Post mehr bekommen. Ich kann Dir nur beruhigendes von mir berichten; ich fühl mich körperlich sehr frisch und erhalte mir auch mitten in diesem Kriegsgetümmel mein inneres Gleichgewicht. Immer kaut man an dem immer rätselvolleren Rätsel herum, wie dieser Krieg nur möglich ist! Europäer! Es ist schrecklich. — Aber alle Dinge haben ihr Ende, auch die schlechtesten und furchtbarsten. Man hat natürlich so viel zu thun, daß an ein wirkliches Schreiben nicht zu denken ist. Nun kommt schon bald richtiges Frühjahr nach Ried! Ich denke immer daran!

2. III. 16.

L., gestern Abend kam Dein Kärtchen vom Rautenstrauchmuseum und Lisbeth’s lieber Brief mit Deinem Zusatz. Es freut mich so, daß Ihr beide Euch zusammen wohl fühlt und Anregungen austauscht. Laß mich nur wieder da sein, dann soll das Leben schon wieder seinen alten Schimmer bekommen. Wir sind heraußen wohl genau wie Ihr fiebrig gespannt auf den Ausgang dieses riesigen Kampfes, den Worte nie werden schildern können. Ich zweifle keine Minute an dem Fall von Verdun und dem darauffolgenden Einbruch in das Herz des Landes, wohl von einem andern Platze. Aber wie furchtbar ist das! Ich bin wohlauf und verliere meine gepanzerte Ruhe nicht. Seid beide und die Kinder vielmals herzlich gegrüßt und Du tief geküßt von Deinem

tr.
Fr.

p. S. Wir sind heut Nacht wieder in festes Quartier gekommen, natürlich Ruinen aber völlig außer Schießentfernung; Pferde zum erstenmal im Stall! Dein Geburtstagsbrief ist gefunden! Denk Dir!! Auf welche Weise, schreibe ich Dir noch!

2. III. 16.

L.,

ich benutze die Gelegenheit eines Krankheitsurlaubes, um Dir auf diesem Wege sichere Nachricht von mir zu geben. Ich vermute natürlich Postsperre. Wir stehen natürlich mit in der Riesengeschichte im Westen, schauerlich und ungeheuerlich wie es Worte nie werden schildern können. Ich führe mit Lt. M. zusammen unsre Kolonne unter schwierigsten Umständen; aber es geht alles. Und gottlob geht es bis jetzt auch gut. Wir sind 10 Kilom. durch die französische Front durch. Wir hausen nachts in den französischen Unterständen. Die Pferde sind seit unserm Abmarsch (25.) nicht mehr aus dem Geschirr gekommen.

Ich selbst fühle mich wohl und frisch, — meine Nerven sind unberührt, daß ich oft selbst staunen muß; Dinge, die mein eigentliches wahres Wesen nichts angehen, berühren mich überhaupt nicht mehr. Jetzt ist übrigens der Moment gekommen, in dem ab und zu ein gutes Päckchen (Schokol. Gilka, Stück Hartwurst u. dergl.) hochwillkommen sein wird. Wie mag nur diese Riesensache hinausgehen?! Ich zweifle nicht, daß Verdun fallen wird, — aber ob es dann gelingt, den grausamen Stoß in’s Herz des armen Frankreich zu führen! Seit Tagen sehe ich nichts als das Entsetzlichste, was sich Menschenhirne ausmalen können.

Ich freute mich gestern über eine Karte von Dir und Lisbeth’s Brief, in dem Du auch was geschrieben; es ist so beruhigend für mich, Euch jetzt beisammen zu wissen und zu hören, daß Ihr Beide Euch Menschliches und Künstlerisches zu sagen habt. Bleib nur ruhig und sorg Dich nicht; ich komme Dir wieder. — Der Krieg geht in diesem Jahr zu Ende.