Er zeigt uns verächtlich den strengen allzuengen Zirkel zum Bewußtsein, in dem wir Maler uns bewegen.
Hat es einen Sinn, einen Apfel zu malen und dazu die Fensterbank, worauf er liegt?
Was hat der schöne runde Apfel mit der Fensterbank gemein? Wenn man das Problem auf „Kugel und Fläche“ stellt, so fällt der Begriff Apfel im Ernste weg; man geht dabei einen interessanten Seitenweg, den uns wundervolle Maler heute entdeckt haben; wenn wir aber den Apfel, den schönen Apfel malen wollen? oder das Reh im Wald? oder die Eiche?
Was hat das Reh mit dem Weltbild zu thun, das wir sehen? Hat es irgendwelchen vernünftigen oder gar künstlerischen Sinn, das Reh zu malen, wie es unsrer Netzhaut erscheint oder in kubistischer Form, weil wir die Welt kubistisch fühlen?
Wer sagt uns, daß das Reh die Welt kubistisch fühlt; es fühlt sie als „Reh“, die Landschaft muß also „Reh“ sein. Das ist ihr Prädikat. Die künstlerische Logik von Picasso, Kandinsky, Delaunay, Burljuk etc. ist vollkommen und einwandfrei; sie „sehen“ das Reh gar nicht und kümmern sich nicht darum; sie gaben „ihre“ innerliche Welt, — das Subjekt im Satze. Naturalisten gaben das Objekt. Das Schwerste, im Grunde auch das Wichtigste, das Prädikat wird selten gegeben. Das Wichtigste in einem Gedankensatze ist das Prädikat. Subjekt ist seine Prämisse. Das Objekt ist belangloser Nachklang, der den Gedanken spezialisiert, banalisiert. Ich kann ein Bild malen: Das Reh. Pisanello hat solche gemalt. Ich kann aber auch ein Bild malen wollen: „Das Reh fühlt“.
Wie unendlich feineren Sinn muß ein Maler haben, das zu malen! Die Ägypter haben es gemacht. Die „Rose“. Manet hat sie gemalt. Die Rose „blüht“, wer hat das „Blühen“ der Rose gemalt? Die Inder. Das Prädikat.
Wenn ich einen Kubus darstellen will, kann ich ihn darstellen, wie man gelehrt wird, eine Zigarrenkiste oder dergleichen zu zeichnen. Damit gebe ich seine äußere Form wie sie mir optisch erscheint, das Objekt, nichts weiter und kann es gut oder schlecht machen. Ich kann aber auch den Kubus darstellen, nicht wie ich ihn sehe, sondern was der Kubus ist, sein Prädikat.
Die Kubisten waren die ersten, die nicht den Raum gemalt haben, das Subjekt, sondern von dem Raum etwas „ausgesagt haben“, das Prädikat des Subjekts gegeben haben.
Typisch ist bei unsern besten Malern die Vermeidung des Lebendigen. Die sogenannte tote Natur suchen sie mit ihrem Geist lebendig zu machen.
Man gibt das Prädikat der stillen Natur; das Prädikat des Lebendigen zu geben, bleibt ungelöstes Problem.