Kandinsky liebt das Lebendige leidenschaftlich, macht es aber zum Schemen, um zur großen künstlerischen Form zu kommen.

Wer vermag das Sein des Hundes zu malen, wie Picasso das Sein einer kubischen Form malt? (im Themastil der Musiker).

Ich muß mich, ohne Aufforderung, gegen den Gedanken wehren, daß am Ende Leser, aus der Thatsache, daß ich oft Tiere male, den unberechtigten Schluß ziehen, ich dächte bei diesen Erörterungen an meine eigenen Sachen. Die Sache liegt vielmehr so, daß die Unzufriedenheit über mein eigenes Schaffen mich zum Nachdenken zwingt und diese Zeilen hervorruft.

Das Groteske:

aus der Alltäglichkeit herausgenommen, wirkt daher viel stärker; man hat das Gefühl des Eigenlebens, dem man ohne Prämissen glaubt, gern glaubt, wie Märchen.

Größer ist die naive Darstellung, die die Wirkung des Grotesken (das oft ein billiges, gefährliches Mittel ist) erreicht.

1912?
Einzelne Blätter.

3.

Was wir unter „abstrakter Kunst“ verstehen.

Was heute von abstrakter Kunst existiert, ist nicht viel und das Existierende ist Stückwerk und Gestammel. Es ist der Versuch, statt unsre vom Weltbild erregte Seele, die Welt selbst zum Reden zu bringen. Der Grieche, Gothiker und Renaissancekünstler stellte die Welt künstlerisch dar wie er sie sah, wie er sie fühlte, wie er sie wollte; der Mensch früherer Zeiten wollte durch die Kunst vor allem sich befruchten; er hat auch erreicht was er wollte, — er hat aber auch alles dafür hingegeben, alles hat er dem einen Ziel geopfert: den Homunculus zu konstruieren, die Kraft durch das Präparat zu ersetzen, Geist durch Technik. Der Affe äffte seinem Schöpfer nach. Selbst die Kunst zwang er zu Handlangerdiensten.