Wenn einmal für alle diese Gesetze Eine Formel gefunden sein wird, — wir werden sie mit voller Sicherheit finden — werden wir vielleicht das dritte Gesicht haben.
55.
Unser uralter Wille, die trügerische Welt mit dem wahren Sein, dem „Jenseits“ zu vertauschen, kleidete früher dieses Jenseits künstlerisch in die Formen der sichtbaren Welt. Heute träumen wir nicht mehr eingeengt von den Dingen, sondern verneinen sie, da unser Wissen zu jenem Leben vorgedrungen ist, das sie verbergen.
Gott kam einst in einer Krippe „zur Welt“. Heute steht sie leer. Wir suchen die Formwerdung jenseits des heiligen Stalles in der visionären, in gesetzlichen Formen sichtbar gewordenen Natur.
Unser heute noch latentes Wissen wird sich morgen in formbildnerische Kraft wandeln.
70.
Auch die Wissenschaft ist nicht ein Ziel, sondern eine Art unseres Geistes.
78.
An die Stelle des Naturgesetzes als Kunstmittel setzen wir heute das religiöse Problem des neuen Inhalts. Die Kunst unsrer Epoche wird zweifellos tiefliegende Analogien mit der Kunst längstvergangener, primitiver Zeiten haben, freilich ohne die formalistische Annäherung an diese, die heute manche Archaisten sinnlos erstreben. Ebenso zweifellos wird unsrer Zeit eine andre Epoche kühler Reife folgen, die ihrerseits wieder formale Kunstgesetze (Traditionen) aufstellen wird, im Parallelismus des Geschehens, in sehr ferner, reifer, späteuropäischer Zeit.