Den Menschen graut vor Leichen und Moder, — warum thut er so vertraut und gutmütig verliebt mit totem, faulendem Geist? Noch nicht die einfachsten Vorsichten und Reinlichkeitsvorschriften gegen Ansteckung und Seuche im geistigen Leben sind uns bekannt; die medizinischen Wissenschaften thuen gerade, als gäbe es nur „ihre“ Bazillen.

80.

Das geistige Kopfleben kennt dieselben Ansteckungsherde und Bazillenträger wie das Rumpfleben der physiologischen Welt, das nur das Paradigma des Geistes ist.

Mit listiger Verschlagenheit redet man aber immer von der Ansteckungsgefahr, die dem Neuen, Ungewohnten, der unbewohnten Zukunft anhaften soll, ein vielgeglaubter Satz der zurückstehenden, murmelnden Menge. Man frägt die Mediziner nicht einmal, wie unmöglich dieses sei und wie gewiß sein Gegenteil.

Nur in Zerfallsprodukten, in der Zersetzung des Alten lauert dem Geist Gefahr. Zwischen frischen, nackten, neuen Dingen ist noch kein Geist verseucht und erkrankt.

Wer lebt heute zwischen frischen Dingen?

Was ist Reinheit?

82.

Ich sah das Bild, das in den Augen des Teichhuhns sich bricht, wenn es untertaucht: die tausend Ringe, die jedes kleine Leben einfassen, das Blau der flüsternden Himmel, das der See trinkt, das verzückte Auftauchen an einem andern Ort, — erkennt, meine Freunde, was Bilder sind: das Auftauchen an einem andern Ort.

83.