Wer sich in diesen letzten, ereignisvollen Jahren um die neue deutsche Kunst gesorgt hat, wer etwas von unsrer künstlerischen Zukunft ahnte, der kannte Macke. Und die mit ihm arbeiteten, wir, seine Freunde, wir wußten, welche heimliche Zukunft dieser geniale Mensch in sich trug. Mit seinem Tode knickt eine der schönsten und kühnsten Kurven unsrer deutschen, künstlerischen Entwicklung jäh ab; keiner von uns ist imstande, sie fortzuführen. Jeder zieht seine eigene Bahn; und wo wir uns begegnen werden, wird er immer fehlen.
Wir Maler wissen gut, daß mit dem Ausscheiden seiner Harmonien die Farbe in der deutschen Kunst um mehrere Tonfolgen verblassen muß und einen stumpferen, trockneren Klang bekommen wird. Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war. Gewiß ahnt das Deutschland von heute nicht, was alles es diesem jungen, toten Maler schon verdankt, wieviel er gewirkt und wieviel ihm geglückt ist. Alles, was seine geschickten Hände anfaßten und wer ihm nahe kam, wurde lebendig, jede Materie und am meisten die Menschen, die er magisch in den Bann seiner Ideen zog. Wieviel verdanken wir Maler in Deutschland ihm! Was er nach außen gesät, wird noch Frucht tragen und wir als seine Freunde wollen sorgen, daß sie nicht heimlich bleibt.
Aber sein Werk ist abgebrochen, trostlos, ohne Wiederkehr. Der gierige Krieg ist um einen Heldentod reicher, aber die deutsche Kunst um einen Helden ärmer geworden.
Franz Marc.
Das Buch enthält Franz Marcs Briefe aus dem Felde, Tagebuch-Aufzeichnungen und Aphorismen. Der Tafelband stellt die originalgetreue Wiedergabe des letzten Skizzenbuches aus dem Felde in Lichtdruck dar. Der Textband der vorliegenden Ausgabe wurde im Jahre 1920 in der Offizin W. Drugulin in Leipzig gedruckt. Er enthält, gleichfalls in Lichtdruck, eine farbige Beilage nach dem Aquarell „Tierschicksale“ von Franz Marc. Eine Vorzugsausgabe mit weiteren fünf farbigen Lichtdrucken nach Zeichnungen von Franz Marc wurde in 320 in der Presse numerierten Exemplaren, von denen 300 in den Handel kommen, auf Büttenpapier gedruckt und in Halbleder gebunden
Anmerkungen zur Transkription
Die Schreibweise der französischen Ortsnamen wurde stillschweigend normalisiert. Lediglich Sâles wurde auch in der häufig wiederkehrenden Form Saales belassen. Hierzu ist anzumerken, daß Marc gelegentlich den Ort Berrweiler als Bertschweiler nennt, was vermutlich falsch ist.
Variationen der Schreibweise von Namen, die für den Autor typische Schreibweise gewisser Worte (z. B. tötlich, blos) sowie das Weglassen des Genitiv-s in zusammengesetzten Worten (z. B. frühlinghaft, Garnisondienst) wurden unverändert übernommen.
Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... glänzend. Nun hab ich auch noch ein prima Restaurant entdeckt, bonc-aigle, Bock-Adler, ...
... glänzend. Nun hab ich auch noch ein prima Restaurant entdeckt, [bouc]-aigle, Bock-Adler, ... - ... Mazola. Erinnerst Du Dich in London? Noch fabelhafter ist aber der Straßburger ...
... [Mazzola]. Erinnerst Du Dich in London? Noch fabelhafter ist aber der Straßburger ... - ... L...., bin heute bis Corze gekommen, wo ich mir bei Kameraden ein Strohlager ...
... L...., bin heute bis [Gorze] gekommen, wo ich mir bei Kameraden ein Strohlager ... - ... gesucht und gut geschlafen habe. Es herbstelt schwer, nasse Nebel. Corze ...
... gesucht und gut geschlafen habe. Es herbstelt schwer, nasse Nebel. [Gorze] ... - ... Liebe M., Heute früh bin ich endlich wieder bei meiner Truppe angelangt! Sie ...
... Liebe M., [heute] früh bin ich endlich wieder bei meiner Truppe angelangt! Sie ... - ... heut über Nacht ist plötzlich hoher Schnee gefallen, ganz unerwartet. Ich war ...
... [Heut] über Nacht ist plötzlich hoher Schnee gefallen, ganz unerwartet. Ich war ... - ... beweist mir an einem kleinen Beispiel, das ich nicht fabuliere mit dem Leidensopfer ...
... beweist mir an einem kleinen Beispiel, [daß] ich nicht fabuliere mit dem Leidensopfer ... - ... — — Um mich lege die Sorge wirklich ein bischen ab. Mein verändertes ...
... — — Um mich lege die Sorge wirklich ein [bißchen] ab. Mein verändertes ... - ... inzwischen sind wir weit gereist; die neue Adresse ist wieder wie im Herbst; siehe ...
... [Inzwischen] sind wir weit gereist; die neue Adresse ist wieder wie im Herbst; siehe ... - ... verliere, daß dies alles für mich nicht Wesentlich ist, nur Wege, Spaziergänge ...
... verliere, daß dies alles für mich nicht [wesentlich] ist, nur Wege, Spaziergänge ... - ... wenn ich im Leben was thue, meinem Nächsten oder auch dem Nächstbestem christliche ...
... wenn ich im Leben was thue, meinem Nächsten oder auch dem Nächst[besten] christliche ... - ... Eichen- und Buchenwäldern, die sich zwischen Haumont und Hatonchâtel und ...
... Eichen- und Buchenwäldern, die sich zwischen Haumont und [Hattonchâtel] und ... - ... sein; bei diesem elenden Wetter, — Hautmont schwimmt schier weg — wäre es ...
... sein; bei diesem elenden Wetter, — [Haumont] schwimmt schier weg — wäre es ... - ... Wesentliche vom Unwesentlichen trennen. Der Starke subsumiert unter das Unwesentliche ...
... Wesentliche vom Unwesentlichen trennen. Der Starke sub[summiert] unter das Unwesentliche ... - ... Maman schreibt heute, sie hofft, daß ihr Weihnachtspacketchen diesmal „rechtzeitig“ ...
... Maman schreibt heute, sie hofft, daß ihr Weihnachts[paketchen] diesmal „rechtzeitig“ ... - ... Daß das liebe Amuletchen etwas später kam, macht gar nichts, — ich war Weihnachten ...
... Daß das liebe [Amulettchen] etwas später kam, macht gar nichts, — ich war Weihnachten ... - ... Lies einmal in Hildebrands Artikel Seite 98 das wundervolle Bild, das Goethe ...
... Lies einmal in [Hildebrandts] Artikel Seite 98 das wundervolle Bild, das Goethe ... - ... Ausdruck „9 Kadinsky’s“ gemalt! Die Sache ist allerdings harmloser, — die ...
... Ausdruck „9 [Kandinsky]’s“ gemalt! Die Sache ist allerdings harmloser, — die ... - ... überdacht, die nach grob pointilistischem System und den Erfahrungen der bunten ...
... überdacht, die nach grob [pointillistischem] System und den Erfahrungen der bunten ... - ... schlechte Geruch, — das alles deutet auf einen kaputen Magen etc. hin. Glaub ...
... schlechte Geruch, — das alles deutet auf einen [kaputten] Magen etc. hin. Glaub ... - ... L., Ich wollte, Du könntest einmal bei der Briefkontrolle neben mir sitzen und ...
... L., [ich] wollte, Du könntest einmal bei der Briefkontrolle neben mir sitzen und ... - ... auf seinem Esel, nicht ganz jesusgleich; es fehlt auch der Jünger Moillet; im ...
... auf seinem Esel, nicht ganz jesusgleich; es fehlt auch der Jünger [Moilliet]; im ... - ... Es zeigt uns verächtlich den strengen allzuengen Zirkel zum Bewußtsein, in dem ...
... [Er] zeigt uns verächtlich den strengen allzuengen Zirkel zum Bewußtsein, in dem ... - ... Logik von Picasso, Kandinsky, Delaunay, Burljick etc. ist vollkommen und einwandfrei; ...
... Logik von Picasso, Kandinsky, Delaunay, [Burljuk] etc. ist vollkommen und einwandfrei; ... - ... Was heute von abstrakter Kunst existiert, ist nicht viel und das existierende ist ...
... Was heute von abstrakter Kunst existiert, ist nicht viel und das [Existierende] ist ... - ... allogisch. Es gibt künstlerische Formen, die abstrakt sind, mit Menschenwissen unbeweisbar; ...
... [alogisch]. Es gibt künstlerische Formen, die abstrakt sind, mit Menschenwissen unbeweisbar; ... - ... mit Herrn Scheffler so komplet vergessen, daß mir letzthin gar nicht recht klar ...
... mit Herrn Scheffler so [komplett] vergessen, daß mir letzthin gar nicht recht klar ...