»Ihr tolles Geschwätze läßt vermuten, daß Sie beim Pater Spee sich Rats erholte,« bemerkte in höhnischem Tone der Oberschultheiß.

Über Elsas Antlitz zog tiefer Unmut. »Herr,« sprach sie, »Herr, wie könnt Ihr jenen schmähen, der nur die Lippen öffnet, um von Liebe und Verzeihung zu uns Gefangenen zu reden? Wie könnt Ihr glauben, das, was Edeltraut gesprochen, sei Widerhall von dem, was Spee uns lehrte? Was Ihr gehört, das war die Sprache eines zum Tod gekränkten Frauenherzens, ein Priester spräche anders. Wenn Euch mein Wort noch Glauben wecken kann und wenn Ihr einer Jungfrau glaubt, die nie der Lüge diente und nun, da sich ihr Leben schnell zur Rüste wendet, sich nicht mit falschem Zeugnisse beflecken will, so nehmt aus meinem Munde die Versicherung, daß nie aus Spees Munde ein bitteres Wort über euch, ihr Herren, kam. Wenn sich die Klagen der Gefangenen zur hellen Zornesflamme steigerten, wenn sie, von Schmerz verwirrt, euch verfluchten und euch Henker, Mörder nannten, dann war es Pater Spee, der solche Rede ernst verwies und mit des Kreuzes Balsam allen Unmut heilte. O seid nicht ungerecht! Jeder Arme, der in eueren Kerkern schmachtet, trägt seine Leiden nur und stirbt nur seinen Tod. Doch Spee trägt aller herbes Leiden in voller Liebe mit und stirbt mit jedem seinen blutigen Tod. Schmäht auf die Priester nicht, die unsere Wunden heilen, und legt nicht neue Dornen ihnen auf den Weg der Liebe! Dankt Gott aus voller Seele, daß noch Priester sühnend in den Abgrund steigen, in welchem die Torheit und die Sünde gleich giftigem Gewürme die Menschheit morden. Nehmt dem tiefsten Elend, das sich hier in eueren Kerkern häuft, den letzten Trost des Priesters, dann mögt ihr sehen, wie der Wahnsinn euere Opfer schüttelt und der Selbstmord sie euerem Spruche entzieht; dann mögt ihr hören, wie euch glühende Lippen fluchen, wie sie euch Henker und Satane nennen. Und habt ihr das geschaut und eueren Fluch gehört, dann ringt die Hände und dann ruft wieder nach Priestern, welche mit der Liebe Wort die Wunden des Herzens heilen und jede Leidenschaft zum stillen Opfer kehren

Elsa hatte diese Worte mit einer so hohen Begeisterung, mit solcher Wärme und Innigkeit gesprochen, daß selbst die Richter tief beschämt zur Erde sahen. Der Oberschultheiß blätterte mit fieberhafter Hast in einem Akte, um seinem Zorne Zeit zu gönnen, sich zu legen. Dann erhob er sich in seiner kalten Strenge und sprach:

»Ich frage Euch, Edeltraut Göbel, ob Ihr Euch schuldig gebt des Bundes mit dem Satan, der Hexerei und bösen Zauberkünste?«

»In Ewigkeit, nein!« erwiderte mit unvergleichlicher Würde Edeltraut.

»Euch, Elsa Gering, frage ich dasselbe.«

»Ich diene meinem Gotte; ihm gehöre ich. Ich habe nie dem Bösen einen Teil an mir gegeben, Gott ist mein Zeuge, mein Herz drückt keine Schuld.«

»Und wenn ich euch nicht glaube?« fragte spitz der Oberschultheiß.

Edeltraut warf einen empörten Blick nach demselben.