11. Kapitel: Der Richter im Gefängnisse
Das war ein Tag der Schande.
Die Sonne tat wohl gut daran, daß sie hinter dichtes Gewölke trat und nicht mit hellem, vollem Glanze auf ein Schauspiel niederleuchten wollte, das jeden fühlenden Menschen aufs tiefste empören mußte, nur nicht jene erbärmlichen Hexenrichter.
Aus den Wolken fiel erst leichter Regen nieder, der, immer mehr anwachsend, zum strömenden Gusse wurde. Ja, der Himmel verhüllte sein Angesicht und weinte; war doch, was er auf Erden schauen sollte, gleich schändlich und gleich schrecklich.
Der Henker hatte an beiden Jungfrauen sein Werk getan. Nur wer Spees Cautio Criminalis gelesen hat, weiß, welch eine Schmach in jenem Worte liegt. Der Hexenwahn trieb die Richter zu Dingen, die jeder Scham unbarmherzig Hohn sprachen. Es war ja nicht genug, der Mädchen jungen, zarten Leib mit ausgesuchter Pein zu martern, es mußten auch die Peinen der Seele sich noch dazu gesellen!
Aber auch das geschah im Namen des »Gesetzes«, und so heilig dieses Wort an sich dem Menschen sein muß, so große Niedertracht hat es schon in sich geschlossen.
Elsa und Edeltraut ertrugen die Folterqualen, mit denen sie körperlich mißhandelt wurden, mit einer Geduld, die nur als eine besondere Gottesgnade angesehen werden konnte; denn der rohe Henker ließ sich die Gelegenheit, so seltene Delinquenten unter seinen Händen zu haben, ganz besonders angelegen sein. Was sie aber nicht ertrugen, das war jene »gesetzmäßige« Gemeinheit, die ihrer weiblichen Ehre aufs verletzendste Hohn sprach.
Die Geisteskräfte der armen Opfer gingen in diesem schmutzigen Meere von Qualen unter, Nacht und Bewußtlosigkeit hielten ihre Sinne gefangen — es war eine wahre Erbarmung, daß sie eine tiefe Ohnmacht umfing, und daß man sie wie leblos in ihren Kerker zurücktrug.
Da lagen sie auf sprödem Stroh, und neben ihnen kniete des Kerkermeisters Weib und suchte die Wunden zu verbinden und die zarten, so arg mißhandelten Körper durch Balsam und stärkende Wasser neu zu beleben. —
Es war ein eigenes, tiefwehmütiges Bild, die gute Alte, dem sterbenden Herbste gleich, neben den geknickten, mit blutigem Tau bedeckten Blumen des Frühlings zu sehen! —