Im Schatten einer Kirche standen zwei Männer in flüsterndem Gespräche. Der Nachtwächter hatte sie angetreten und zum Nachhausegehen ermahnt.

»Schert Euch zum Teufel!« war die kurze Antwort, die er erhielt. Ein Oberschultheiß durfte schon sagen, was in eines einfachen Bürgers Mund sehr verbrecherisch geklungen hätte.

»— Warum nicht?« fuhr der Aktuarius flüsternd im Zwiegespräche weiter. »Man muß eben nicht so engherzig sein und Beweise verlangen, wo einfache Verleumdungen denselben Dienst tun. Man hängt dem Manne etwas Ergiebiges an, hundert gegen eins, er geht, d. h. seine Obern versetzen ihn.«

»Ganz gut,« entgegnete der Oberschultheiß mit teilweiser Befriedigung; »aber was hängt man dem Pater Spee an? Ich gestehe aufrichtig, daß, so sehr ich diesen Mann hasse, ich doch keinen wunden Fleck an ihm finde, an dem sich — 's ist ein elendes Wort — an dem sich die Verleumdung kristallisieren könnte.«

»Ist auch nicht notwendig,« gab der an Leib und Seele Fadenscheinige zurück. »Wir brauchen dem Jesuiten gar nichts Arges nachzusagen; man würde uns seinem heiligmäßigen Wandel gegenüber auch gar nicht Glauben schenken, wollten wir ihm eine Weltsünde anlügen. Wir sagen einfach, der Pater ist gut, der Pater ist fromm, der Pater ist sehr barmherzig, aber —«

»Nun, aber — ich brenne vor Neugierde.«

»Aber er hat nicht den rechten Glauben.«

»Mit Vergunst, Ihr seid ein Esel!« rief der Gestrenge.