»Hm, ich kann nicht recht einsehen, wozu das Silber notwendig ist. Mein Kampf gegen den Pater ist ein rein geistiger.«

»Soll ich die Menge bearbeiten, so muß ich sie in den Schenkstuben aufsuchen. Hinter dem Arbeitstische ist der Mensch zu nüchtern und vernünftig. Erst wenn ein Zug über Durst getan ist, findet auch die Dummheit den Schlüssel zum Gehirne.«

»Nun ja, zugestanden. Also geht fleißig in die Schenken.«

Der Aktuar konnte nur mit Mühe seiner Ungeduld Meister werden.

»Herr,« sprach er, »ich weiß nicht, ob Ihr auch schon das Brot eines Aktuars gehungert habt. Wenn nicht, so glaubt mir freundlichst, wenn ich Euch sage, daß unter den Groschen, die ich erschwitzen muß, kein Weingroschen sich befindet.«

»So? Kommt morgen zu mir. Aber ich ersuche Euch, hetzt, was Ihr könnt, die Zeit drängt.«

Die beiden schieden mit stummem Gruße.

Der Oberschultheiß ging nachdenklich seines Weges, der ihn am Kloster der Jesuiter vorüberführte.

Dort angelangt, blieb er mit verschränkten Armen stehen.

»Da wohnen sie und ruhen sie; ruhen gewiß sanfter, als ich je ruhen werde. Diese Jesuiter sind ein Rätsel, das ich nicht zu lösen vermag. Man kann sie in einem Atemzuge hassen und beneiden. Sehe ich einen von ihnen, so komme ich mir vor wie ein schwankendes Schilfrohr neben einer Eiche. Sind denn diese Menschen ohne Leidenschaften geboren, daß sie so ruhigen, sicheren Fußes über die Erde und durch das Leben gehen? Oder ist diese Seelenkraft eine errungene? Weiß Gott, da stünde ich lächerlich klein neben einem Jesuiter da! — — Ich kann sie hassen, aber ich muß sie auch achten; und stünde mir der Pater nicht unausgesetzt im Wege, ihn achtete ich am meisten. Warum kämpft er auch gegen mich, oder besser gesagt, gegen meine Stellung und Amtstätigkeit? Er oder ich! Ich kann, ich will nicht zurück.«