14. Kapitel: Blutiges Morgenrot

Im Hofe des Schneidturmes herrschte noch am selben Abende, da der Oberschultheiß mit den Todesurteilen vom Fürstbischofe geschieden war, ein hastendes, geräuschvolles Leben. Der Henker stellte in einen Winkel einen Block zurecht, der überreiche Blutflecken an sich trug; dann brachte er aus einer Gewölbekammer zwei sargähnliche Truhen, die ebenfalls schon Spuren häufigen Gebrauches zeigten; an den Block lehnte er sein langes Richtschwert, nachdem er es zuvor noch ein paarmal prüfend in der Luft geschwungen hatte.

Der alte Kerkermeister stand etwas abseits und sah den Vorbereitungen des Henkers mit trübem Auge zu.

»Um neun Uhr, Alter?« rief der Henker.

Der Angeredete nickte stumm mit dem zitternden Haupte und wischte sich eine Träne aus dem Auge.

»Morgen wird es heiß hergehen,« fuhr der Henker fort; »so viele auf einmal sind noch nie von mir zur Richtstätte geführt worden. Sind ja an die Dreißig, die verbrannt werden!«

»Und alle unschuldig!« setzte der Kerkermeister mit einer vor Erregung zitternden Stimme bei.

»Oho, Alter, das Heidingsfelder Gaunervolk wird doch nicht unschuldig sein!« lachte der Henker.