Vom Toreingange her tönte ein Glöckchen. Pater Spee trat, die heilige Wegzehrung tragend, von einem dienenden Knaben begleitet, in den Hof. Der Kerkermeister warf einen Blick tiefen Schmerzes nach dem Jesuiten und schritt ihm dann voraus, um ihm das Gefängnis des Chorherrn und des Vikars zu öffnen. Dort waltete nun der Pater seines erhabenen Amtes und bereitete zwei Seelen zum Gange in die Ewigkeit. —

Es schlug vom Neumünster her die neunte Abendstunde, und die übrigen Glocken der Stadt fielen ein. Dann läuteten sie von allen Türmen das Ave; aber es klang heute so wehmütig und freudearm, als klagten all die Glocken tiefes Leid zum Himmel.

Aus einer Türe des Turmes trat ein stillernster Zug. Voran ging der Kerkermeister, ihm folgte Spee, begleitet von dem Chorherrn Nikodemus Hirsch und dem Vikarius Christophorus Barger. Die drei Priester beteten mit lauter Stimme den Psalm Miserere. Ihr Antlitz war ruhig, und eine himmlische Ergebung lag darüber ausgegossen.

Der Henker ließ, auf sein Schwert gestützt, den Zug an sich herankommen. Als die Priester neben dem Blocke standen, trat er an sie heran, reichte jedem die Hand und sprach: »Verzeiht dem Henker, wenn er an euch seines Amtes waltet!«

»Du bist ein braver Mann,« sprach Nikodemus Hirsch, jenem die Hand drückend. »Wir scheiden in Liebe und Frieden.«

Und nun knieten die Priester vor Pater Spee nieder. Ihre gefalteten Hände zitterten, die Häupter waren tief zur Erde gebeugt. Mit bebenden Lippen beteten sie nochmals das Confiteor. Jedes Wort des demütigen Gebetes war von Glaube und Ergebung durchglüht.

Spee breitete seine Hände segnend über sie. »Misereatur vestri omnipotens Deus — — —«

Und nun erhoben sie sich.

»Wir sterben unschuldig und ohne Groll im Herzen. Pater Spee, Gott möge Euere Liebe Euch vergelten! Auf Wiedersehn im Paradies!«