Ein langer, heißer Kuß aufs Kreuz — ein Blick voll Sehnsuchtsglut nach oben — ein im Mondlicht aufblitzender Schwertstreich, und nun noch einer — rings am Boden heißes, dampfendes Blut, und in ihm zwei Leichen! —

Der Henker legte die entseelten Körper der Priester in die Truhen. Es war das erstemal in seinem Leben, daß ihm Hand und Herz bebten und eine Träne in seinem Auge stand. Spee besprengte die Leichen mit geweihtem Wasser und betete das De profundis. Dann hoben zwei Knechte die Truhen auf einen Wagen, und nun ging es in langsamem, traurigem Zuge hinaus durch die Stadt nach dem Richtplatze, wo bereits ein großer Scheiterhaufen errichtet war. Auf diesen wurden die Leichen gelegt und dann das Holz angezündet. Bald züngelten die Flammen hinauf und hüllten alles in Feuer und Rauch.

Blutrot sah der Mond vom nächtigen Himmel zur Erde nieder, verhängnisvoll leuchtete des Scheiterhaufens Flamme von der Anhöhe hinab in die Stadt, und alle, welche die züngelnde Lohe und den schwarzqualmenden Dampf, der wie eine dunkle Säule zum Himmel aufstieg, sahen, beteten ein stilles, schmerzliches Gebet für die Gerichteten.

Und als es Mitternacht war, da erloschen die Flammen, und nur ein Häuflein Glut leuchtete noch durch die Nacht. Und als auch dieses erstarb, war es Morgen geworden — der Morgen eines schrecklichen Tages.

Der Tod der beiden Priester durchlief wie eine Schauermäre am frühen Tage die ganze Stadt. Allenthalben stieß man auf ängstlich flüsternde Gruppen und Mienen voll Trauer und Gram. Besonders aber unter der Geistlichkeit war der Schmerz ein ebenso großer als gerechter; denn die beiden hingerichteten Mitbrüder hatten als fromme und liebenswürdige Männer die Hochachtung und aufrichtige Verehrung aller genossen. Man begriff sehr wohl, daß die geheime Hinrichtung weniger eine Rücksicht auf den Stand der armen Priester, als eine Tat der Vorsicht war, da die öffentliche Enthauptung und Verbrennung von Geistlichen leicht zu schlimmen Volksauftritten, mochten sie sich nun gegen die weltliche Obrigkeit oder gar gegen den Priesterstand richten, hätte führen können.

Weniger, ja gar keine Rücksichten glaubte man dagegen bei der Urteilsvollstreckung an den übrigen Gefangenen hegen zu müssen. Im Gegenteile. Der Tag und die Stunde der Massenhinrichtung ward mit Absichtlichkeit in Würzburg bekannt gemacht. Es sollte möglichst viel Volk Zeuge des schrecklichen Schauspieles sein, und zugleich sollte der Menge durch Entfaltung aller richterlichen Macht neuerdings tiefste Ehrfurcht vor dem Malefizgerichte beigebracht und der teilweise bereits wankend gewordene Glaube an Hexen und Zauberer neu bestärkt werden.

Es war ein trüber Morgen, der über der Stadt brütete. Der Himmel war von fliegendem Gewölke umzogen, das sich zuletzt zu dunkeln Massen anstaute und regenschwer über Würzburg hing. Das Licht des wachsenden Tages war dämmerig, die Luft feucht und kalt, und stoßweise fegte ein brausender Westwind durch die Gassen.

Die Kirchentüren standen schon am frühesten Morgen weit offen, und die heiligen Räume waren unablässig von Betenden gefüllt, welche einem frommen Gebrauche gemäß vor dem hochwürdigsten Gute für jene zu Gott flehten, welche heute dem Tode durch den Henker verfallen sollten.

Immer dichtere Menschenmassen wogten nach der Gegend des Schneidturmes hin und drängten sich dort um das alte, finstere Gebäude. Kein froher Scherz, kein heiteres Lachen tönte aus der Menge heraus; allenthalben war Trauer und aufrichtiger Schmerz sichtbar, und über viele Wangen perlten Tränen, von tiefem Mitleide mit den armen Opfern geweint.