Edeltraut war neben ihn getreten. Aus ihrem Auge strahlte die Sonne der Liebe.

»Heinrich!«

»Wer ruft mich?« fragte mit hohler Stimme der Student.

»'s ist die Edeltraut!«

Der Jüngling wandte sich rasch um.

»O Edeltraut, meine Edeltraut!« rief er, die Arme ausbreitend. »Du, Engel, bist wohl aus des Himmels Höhen herniedergestiegen, um meine Seele mit dir fortzunehmen! Nimm mich fort auf deinen reinen Schwingen, o bitte, bitte!«

Er sank zum Boden nieder und hob die Hände flehend auf.

»Hör' mein Leid! Ich trug einst ein reiches Hoffen in meiner Seele, dem Frühling gleich, der tausend Knospen schwellt. Es war so wundersüß! Ich hoffte, dich, reine Blume, an dieses Herz zu legen und dort so treu und warm zu betten. Die Hoffnung wuchs zur Seligkeit, da ich aus deinen Augen meiner Wünsche Himmel leuchten sah. Nie sprachst du ein Wort der Liebe zu mir — es war ja besser, edler so. Wozu das Wort auch, wenn die Herzen ihre reiche Sprache reden! Da kam ein wilder Sturm verheerend über meine Hoffnung und brach die Knospen, und all mein Hoffen fiel wie welkes Laub vom Baume. Rings starrt der Tod, und da — da, Edeltraut, am Morgen fange langsam auch ich zu sterben an. Noch bin ich nicht zu Ende mit dem Sterben, ein winzig Teilchen Leben kämpft noch mit dem Tode. Der Kampf wird bald zu Ende sein, die junge Sonne geht zur Rüste — Abend wird's — dann tiefe Nacht im Grab!«

»Wir sterben miteinander!« schluchzte Edeltraut.

»Du? du mit mir?« stammelte Heinrich, und aus seinen stieren Augen dämmerte der neu erwachende Wahnsinn.