»Am Scheiterhaufen!«

Der Jüngling schüttelte das Haupt. »Das begreife ich nicht, daß Engel sterben.«

»Sie haben mich als Hexe zum Feuertode verdammt.«

Des Jünglings Augen schienen aus ihren Höhlen zu treten, seinem Munde entströmte glühender Atem. »Dich, dich,« rief er, »nennen sie eine Hexe! Ja, ja, ich fühl' es, die Welt dreht sich im wirren Wahnsinnswirbel, nur ich allein bin frischen, heilen Geistes. Du, eine Hexe — haha ha —«

Er stieß ein gräßliches Lachen aus. Dann hielt er seine Hand vor die Lippen und flüsterte: »Sei klug, mein Kind, und breite deine Schwingen und flieh hinauf hoch über alle Sterne! O flieh, flieh, die Erde ist so voll des Schmutzes und der Schande, daß sie nicht Lilien auf ihrem Boden tragen kann.«

»Ich kann nicht fliehen, teurer Heinrich; und könnte ich auch, ich möchte nicht. Ich sterbe gerne, sterbe ich doch mit dir. Gott wird uns gnädig seinen Himmel öffnen und dort in seiner Liebe unsere Liebe segnen. Leb' wohl, mein Freund, auf Wiedersehen im Jenseits!«

Sie reichte ihm die beiden Hände. Der Jüngling ergriff sie mit Inbrunst und ließ seine glühende Stirne aus ihnen ruhen. »Leb' wohl, mein Herz, mein Lieben und mein Hoffen; du Blume Gottes, lebe wohl! — — Du scheidest, wie der Tag, der tief in Feuergluten seine letzte Stunde hüllt, um dann als schönerer Morgen der Erde tauige Tränen aufzuküssen! — — Leb' wohl — ich sterbe gerne, freudig des Lebens letzten Rest, — auf Wiedersehen bei Gott!«

Edeltraut entzog ihm leise ihre Hände. Er schien es kaum zu fühlen. Gleich einem Marmorbilde kniete er, das Haupt geneigt, und seine Seele trank Entzücken.

— — Die dem Tode Geweihten wurden von dem Kerkermeister nach ihren Gefängnissen zurückgebracht. Als Edeltraut und Elsa in ihren Kerker traten, fanden sie dort Pater Spee.