»Ich bringe euch den Leib des Herrn,« sprach er, auf das Kreuz an seiner Brust zeigend, in dessen Mitte sich das Heiligste befand.
»O, Gott ist gut, unsäglich gut mit uns,« rief Elsa und sank anbetend auf die Knie.
»Nun, Kinder, reinigt euere Seelen von jedem Makel durch das Beichtgericht. Hat auch der Erde Verderben keinen Teil an euch, so denkt, daß auch der Reinste nicht vor Gott besteht, wenn sein Erbarmen nicht den letzten Hauch der Sünde von uns nimmt!«
— — — »Ich arme Sünderin« — — —
»Gott sei mit dir, — mit euch! Mit euch sein Friede!« sprach der Priester und reichte beiden Mädchen den Leib des Herrn.
— »Nun laßt den letzten Schmerz ums Irdische vernarben, ihr traget Gott in euch; noch eine Stunde, eine lange, lange, und ihr schaut den in seiner Herrlichkeit, der in des Brotes demutsvoller Hülle euch im Kerker zum reinsten Troste geworden! Zaget nicht, zittert nicht, ihr lieben, reinen Tauben! Zum Himmel auf geht euer Flug, zum Schauen euer Glauben!« —
Pater Spee hatte auch die übrigen Kerker besucht, um überall den gleichen Himmelstrost zu spenden; doch ward derselbe nicht von allen gerne angenommen. — Der Student zeigte sich innigst dankbar für den Empfang dieser Gottesgnade, auch der Zuckerwastl nahm den Pater freundlich auf. Die übrigen aber wiesen ihn mit unbeugsamem Trotze von sich. Gott habe sich nie um sie bekümmert, meinte Helena; nun wolle sie auch nichts von ihm wissen und trage gar keine Sehnsucht nach ihm; es sei ihr ganz gleichgültig, ob sie zum Teufel fahre oder nicht; sie finde dort jedenfalls bessere und vornehmere Gesellschaft, als sie je auf Erden gehabt.
Auch der Neunaugen ließ sich nicht aus seinem blöden Brüten aufrütteln, während der Pappenheimer die ganze Laune seines Spottes über Gott, Glaube und Priestertum ausgoß. Wenn ihm der Pater Spee denn doch noch einen Gefallen erweisen wolle, so möge er sich von ihm den Hals umdrehen lassen, denn er hoffe sicherlich, die beste Aufnahme in der Hölle zu finden, wenn er erst einen Jesuiten geschunden habe.
Spees Herz blutete ob der hartgesottenen Verstocktheit dieser armen Menschen, die mit vollem Bedachte einem zweifachen Tode entgegengingen. Alle seine innige Liebe blieb unverstanden, all sein flehendes Bitten unerhört, alle Hinweisungen auf einen barmherzigen wie auch einen gerechten Gott fanden nur eine höhnende Antwort.