»Sei ohne Sorge. Morgen ist bessere Zeit zum Trinken,« gab der Neunaugen zurück. — —
— — Eine Schaubude. Vier Stämme sind in die Erde gesteckt und mit Brettern umzogen. Vor dem Eingange steht ein widerlicher Kerl und schreit mit heiserer Stimme: »Wer das größte Wunder sehen will, der komme hieher. Ein leibhaftiger Alrunn, vor hundert Jahren schon ganz ausgewachsen.«
Das Volk gaffte, zögerte und trat ein. Da lag auf einem Tische eine gespaltene Mandragorawurzel,[F] die Gestalt eines verstümmelten Menschen im Dämmerlichte einigermaßen wiedergebend.
»Bst!« mahnte der Gaukler die langgestreckten Hälse. »Geht zurück und seid stille! Ihr seht ja, daß der Alrunn schläft, und wenn er erwacht, dann ist er so gewaltig böse, daß er alles zerreißt. Nehmt euch in acht!«
Noch ein schneller, scheuer Blick, und hinaus drängt sich das verblüffte Volk.
— — An einer anderen Stelle steht auf einer Tribüne ein großer, starker Mann. Er weiß sich mit großer Würde zu tragen und sieht auf die dichtgedrängte Menge mit unverkennbarer Geringschätzung herab. Er ist ein sogenannter Wasserspritzer und Feueresser, eine für jene Zeit ganz unheimliche Erscheinung.
Nachdem er einen Augenblick hinter einen Vorhang, der ihn den Blicken der Zuschauer entzog, getreten war, kehrte er wieder auf die offene Bühne zurück, ließ sich acht Gläser frischen Brunnenwassers geben und trank dieses. Dann gab er es in einzelne Gläser wieder von sich, aber nicht als Wasser, sondern als Wein von jeder Färbung, vom dunkelsten schwärzlichen Neapolitaner angefangen bis zum hellgoldigen Würzburger Landwein herab. Dann ließ er wohlriechende Wasserstrahlen aus seinem Munde ausgehen, oder er schoß Wasser wie ein Röhrenbrunnen aus seinem Magen in die Luft.[G]
Die verblüffte Menge ward starr vor Erstaunen, als sie dies alles sah. »Der hat den Teufel im Leibe,« flüsterten die Leute untereinander; »ein gewöhnlicher Mensch kann solche Wunder niemals tun.«
Unterdessen hatte sich der Gaukler ein Becken glühender Kohlen bringen lassen. Davon nahm er etwelche in den Mund, zerkaute und aß sie. Dann zündete er einen Klumpen Schwefel und Pech an und verschluckte ihn mit der blau brennenden Lohe. Ein glühendes Eisen leckte er mit der Zunge, daß es zischte, und ein anderes nahm er zwischen die Zähne und trug es eine gute Weile im Munde umher.[H]