»Nun sag' mir einer, daß es nicht Zauberei und Hexenkünste gebe,« rief Meister Brinhard, der unter der Menge stand, händeringend aus. »Wer von uns begreift solch arge Kunst? Da gibt es nur einen Schlüssel, das ist der leidige Satan. Hätte der Mann da aber nicht Gemeinschaft mit dem Bösen, nimmer könnte er Feuer essen; aber der Teufel hat ihn fest gemacht. Liebe Leute, 's war großes Unrecht, daß wir ihm zugesehen haben, und eine richtige Obrigkeit sollte solch ein Höllenspiel gar nicht dulden. Mich reut der Anblick, verzeih' mir Gott die Sünde!«
»Ja, ja, 's ist Teufelsspuk,« murmelten die Männer kopfnickend nach, die Weiber aber schlugen Kreuze und liefen weit davon.
— — Am nördlichen Ende von Heidingsfeld steht ein großer Hof. Hohe Mauern umschließen ihn und gewähren nur durch das Tor von der Straße her den Eingang in das Innere. Rechts im Hofraume stehen lange Ställe, links Getreidekästen, in der Mitte mehr nach rückwärts befindet sich das stattliche Wohnhaus.
Die Abendschatten liegen bereits in langen Dämmerstreifen über dem stillen Gehöfte. Die Bewohner sind alle nach dem Markte gegangen, um an dem frohen Treiben, muntern Zechen sich die Laune neu zu beleben; nur in der Küche steht ein junges Weib, damit beschäftigt, über hellflackerndem Feuer aus brodelndem Schmalze jene starkduftigen Kücheln zu backen, die auf dem deutschen Bauerntische der willkommene Markstein festlicher Zeit sind. Der Hausstand muß wohl zahlreich sein; denn trotz der Berge von goldbraunem Gebäcke fährt die Hausfrau emsig fort, neuen Teig in das heiße Schmalz zu legen.
Das Anschlagen des Hofhundes stört sie aus ihrer geschäftigen Ruhe. Durch das nach dem Hofraume gehende Fenster sieht sie ein scheu um sich blickendes Weib dort eintreten, das bald vor ihr unter der offenen Küchentüre steht. Die demütige Miene paßt schlecht zu dem rohen Gesichte, das unter den halbgeöffneten Lidern hervorlauernde Auge schlecht zu der bittenden Rede.
Die Bäuerin hatte nach etwas Kupfermünze gesucht, um die Bettlerin damit zu beschenken.
»Vergelt's Euch Gott und Unsere Liebe Frau!« dankte die Landstreicherin. »Stoßt mich nicht von Eurer Schwelle, bin ein armes fahrendes Weib, das kein Heim hat. Gönnt mir einen Augenblick Rast in Euerem Hause; Gott möge es Euch an Eueren Kindern lohnen!«
»Hab' keine Kinder,« gab das Weib kurz zurück. »Kommt in die Küche, da mögt Ihr rasten, solange es Euch gefällt.«
Helene folgte schüchtern der Einladung und setzte sich in einen Winkel, wo sie die ihr geschenkten Speisen verzehrte. Dabei ließ sie ihre Augen bald nach allen Seiten rollen, bald schlug sie dieselben nieder, als wäre sie ein Bild von Zucht und guter Sitte.