»Ihr sagtet vordem, Ihr hättet keine Kinder. Habt Ihr wohl Feinde, die Euch solches Leid angetan haben?«
»Kann man denn das?« fragte die Bäuerin nicht ohne Schrecken.
»Ei freilich; durch böse Kunst, durch Hexen, Zauberer wird solches leicht bewirkt.«
»Wißt Ihr das gewiß?«
»Gott sei's geklagt!« seufzte die Landfahrerin. »Ihr ahnet nicht, was böse Menschen alles können.«
»Ihr seid wohl reich?« fuhr Helena nach einer Pause weiter. »Da fällt Euch solch Entbehren doppelt hart. Dem Armen ist's oft Wohltat, wenn er Not und Hunger nicht mit einem Kinde zu teilen braucht. Aber der Reiche, der dem Kinde ein sorgloses Dasein schenken könnte, ist wahrlich arm bei allem Reichtume, wenn ihm der Kindersegen fehlt.«
»Ist wahr; hab' Geld und Gut genug, um zehne zu ernähren. Gäb' all das Silber im Kasten oben gerne her, hätt' ich ein Kind dafür. Will's aber unser Herrgott nicht, so murre ich auch nicht.«
»Ich hätte wohl ein sicheres Mittel gegen Euren Kummer. Soll ich Euch helfen?« fragte Helena nach einer Weile.
Die Bäuerin sah sie lange mit ihren klugen Augen an. »Ich meine, wenn Ihr hier Rat und Hilfe wüßtet, so brauchet Ihr nicht betteln gehen. Da gäb' es Gold genug. Dank' Euch für Eueren Willen.«